Herbstzeit ist Fledermauszeit: Wenn die Temperaturen sinken, machen sich die nachtaktiven Tiere auf die Suche nach einem geschützten Unterschlupf für den Winterschlaf. Immer häufiger wählen sie dabei auch menschliche Behausungen – besonders dann, wenn Fenster zum Lüften weit geöffnet sind. Diese Beobachtung machen derzeit Naturschützer und Hausbesitzer gleichermaßen.
Warum Fledermäuse durch offene Fenster fliegen
Fledermäuse sind auf der Suche nach Quartieren, die kühl, dunkel und feucht genug sind, um den Winter ohne Frostschäden zu überstehen. Natürliche Höhlen werden in Kulturlandschaften rar, weshalb sich die Tiere vermehrt in Gebäuden einfinden. Aber nicht jede Fledermaus, die durch ein offenes Fenster schlüpft, will gleich bleiben: Viele verfolgen Insekten, die vom Licht der Wohnungen angezogen werden. Dabei verlieren sie die Orientierung und finden den Rückweg nicht mehr.
Besonders betroffen sind Schlaf- und Kinderzimmer im ersten Stock, aber auch Dachgeschosswohnungen. Fenster mit Kippstellung sind eine Einladung: Der Spalt ist für die wendigen Tiere leicht zu passieren, und einmal drinnen ist die Verwirrung groß.
Vorbeugung: So bleiben Fenster bienenfrei und fledermausfest
Um zu verhindern, dass Fledermäuse ins Innere gelangen, sind einfache Maßnahmen ausreichend. Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen sind der effektivste Schutz. Sie halten nicht nur Mücken fern, sondern auch die Fledermäuse, die ihnen nachjagen. Wer nachts lüften möchte, sollte die Fenster vor Einbruch der Dunkelheit schließen oder ein Gitter verwenden.
- Insektenschutzgitter an allen Fenstern in den unteren Stockwerken montieren.
- Fenster nicht in Kippstellung offen lassen, wenn niemand im Raum ist.
- Dunkle Vorhänge oder Jalousien als Sichtschutz und Lichtbarriere nutzen.
- Außenbeleuchtung auf das Nötigste reduzieren, um Insekten nicht anzulocken.
Erste Hilfe: Was tun, wenn eine Fledermaus in der Wohnung ist?
Entgegen mancher Annahmen sind Fledermäuse nicht aggressiv und greifen Menschen niemals an. Sollte ein Tier in der Wohnung sein, gilt: Ruhe bewahren. Öffnen Sie ein Fenster weit, schalten Sie das Licht aus und ziehen Sie sich zurück. Meist findet das Tier den Ausgang von selbst, weil es den Luftzug und die Dunkelheit draußen wahrnimmt.
Hilft das nicht, kann man die Fledermaus vorsichtig mit einem Handtuch oder einem Glas einfangen. Wichtig ist, das Tier niemals mit bloßen Händen anzufassen – nicht wegen der Tiere, sondern wegen möglicher Krankheitserreger. Tragen Sie Handschuhe und setzen Sie die Fledermaus am Abend im Freien aus, am besten an einem geschützten Ort.
Sollte das Tier verletzt sein oder sich in einer unerreichbaren Ecke verkriechen, ist der zuständige Naturschutzbund (NABU) oder eine örtliche Fledermaushilfe der richtige Ansprechpartner. Dort gibt es speziell geschultes Personal, das die Tiere versorgt.
Fledermäuse schützen: gesetzlich geschützt und nützlich
In Deutschland sind alle heimischen Fledermausarten streng geschützt. Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, die Tiere zu stören, zu verletzen oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen – auch in Wohnhäusern. Ein Verstoß kann mit Bußgeldern von mehreren Tausend Euro geahndet werden.
Der Schutz lohnt sich auch aus ökologischer Sicht: Fledermäuse sind natürliche Schädlingsbekämpfer. Eine einzige Zwergfledermaus kann in einer Nacht bis zu 3.000 Insekten erbeuten. Das hält die Populationen von Stechmücken in Gärten und Wäldern in einem natürlichen Gleichgewicht – ein Beitrag, von dem auch die Menschen profitieren.
Quartiere im Haus: Nicht jede Fledermaus muss raus
Mitunter suchen Fledermäuse absichtlich Quartiere in Rollladenkästen, an Fassadenverkleidungen oder auf Dachböden. In diesen Fällen ist es nicht nötig, die Tiere zu vertreiben. Im Gegenteil: Eine Kolonie ist ein Zeichen für einen intakten Naturhaushalt. Solange man die Tiere gewähren lässt und keine Störungen entstehen, ist eine Koexistenz problemlos möglich.
Für Hausbesitzer, die dauerhaften Einzug verhindern wollen, empfiehlt es sich, mögliche Zugänge wie Spalten und Ritzen noch vor dem Herbst zu verschließen – aber nur dann, wenn nachweislich keine Fledermäuse darin leben. Eine Beratung durch Fachleute kann hier Klarheit schaffen.



