Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben in Bad Wörishofen ihre Spuren hinterlassen. Mehrere öffentliche Kneipp-Wassertretanlagen der Kurstadt sind inzwischen komplett ausgetrocknet. Das bestätigte die Stadtverwaltung auf Anfrage. Betroffen sind unter anderem Einrichtungen im Kurpark und in den nahegelegenen Grünanlagen.
Die Becken, in denen Kurgäste traditionell barfuß durch das kühle Wasser waten, sind nur noch mit einer Schicht aus trockenen Blättern gefüllt. Bürger und Urlauber zeigen sich enttäuscht. Für viele ist das Kneippen mit den traditionellen Wassertretanlagen ein fester Bestandteil ihres Besuchs in der Stadt, die als Heimat von Sebastian Kneipp weltweit bekannt ist.
Wasser als zentrales Element der Kneipp-Therapie
Sebastian Kneipp entwickelte im 19. Jahrhundert seine Lehre, in der Wasseranwendungen eine zentrale Rolle spielen. Die Wassertretanlagen sind öffentliche Einrichtungen, die die Gesundheitslehre des Naturheilkundlers erlebbar machen. Sie werden von Einheimischen und Touristen gleichermaßen genutzt. In Bad Wörishofen gibt es zahlreiche dieser Anlagen im gesamten Stadtgebiet.
Bad Wörishofen zählt etwa 17.000 Einwohner und ist eines der bekanntesten Kneipp-Heilbäder Deutschlands. Jedes Jahr verbinden viele Tausend Gäste ihren Aufenthalt mit einer Kur. Die Stadt hat sich seit über 130 Jahren der Gesundheitsphilosophie von Sebastian Kneipp verschrieben, zu der auch das Wassertreten gehört.
Dürre und Wasserknappheit in weiten Teilen Bayerns
Der Wassermangel macht sich auch in anderen Bereichen bemerkbar. Die Grünanlagen und Beete in der Stadt vertrocknen, die Bewässerung wurde bereits eingeschränkt. Die Stadtverwaltung bittet die Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. In den vergangenen Wochen fiel so gut wie kein Regen, die Temperaturen erreichten oftmals mehr als 30 Grad.
Die anhaltende Trockenheit in Bayern sorgt insgesamt für sinkende Grundwasserstände. In vielen Regionen gelten bereits Beschränkungen für die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Seen. Die Landwirtschaft leidet unter der Dürre, Wälder sind durch die Waldbrandgefahr zusätzlich belastet. In Bad Wörishofen kommt hinzu, dass die bekannten Kneipp-Anlagen für den Kurbetrieb unverzichtbar sind.
Gäste und Einheimische reagieren mit Unverständnis
Vor den leeren Wassertretbecken sammeln sich Menschen, die ratlos vor den trockenen Steinen stehen. Urlauber und Einheimische hoffen auf schnelle Abhilfe. In sozialen Medien wird diskutiert, ob die Stadt die Anlagen mit Trinkwasser befüllen darf. Ein solcher Schritt wäre jedoch angesichts der angespannten Wasserversorgung kaum zu vermitteln.
Die örtlichen Gesundheitsbetriebe, die Wassertreten als Therapie anbieten, müssen derzeit auf alternative Anwendungen ausweichen. Das macht die Wasseranwendungen nicht nur für Touristen, sondern auch für Patienten erlebbar – zumindest in normalen Zeiten. Die Trockenheit hat diese Grundlage vorübergehend entzogen.
Stadt sucht nach Lösungen
Die Stadtverwaltung arbeitet unter Hochdruck an einer Übergangslösung. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken wird geprüft, ob Regenwasser aus Zisternen oder Grundwasser für die Befüllung der Anlagen genutzt werden kann. Eine Entspannung der Situation ist jedoch erst bei länger anhaltendem Regen in Sicht. Die Wettervorhersagen versprechen bis auf Weiteres keinen Niederschlag.
Bislang ist unklar, wie lange die Wassertretanlagen gesperrt bleiben. Die Behörden haben darauf hingewiesen, dass die Sicherheit der Gäste absolute Priorität hat. Ohne Wasser seien die Kniebecken nicht nutzbar, hieß es aus dem Rathaus. Man gehe aber davon aus, dass mit dem erhofften Regen im Herbst ein Neustart möglich sei.
Klimawandel stellt Weichen für die Zukunft
Der Blick auf die momentan trockenen Wassertretanlagen ist ein Sinnbild für die zunehmende Trockenheit in Deutschland. Die Kurstadt Bad Wörishofen, die seit mehr als 130 Jahren für ihre Wasserkuren bekannt ist, muss sich den Herausforderungen des Klimawandels stellen. Die Hoffnung ruht auf einem regenreichen Herbst – und auf nachhaltigen Konzepten für die Wasserversorgung in den kommenden heißen Sommern.
Einige Bürger fordern bereits den Einbau von Wasserrecyclingsystemen oder das Anlegen neuer Zisternen, um künftig besser auf Trockenperioden vorbereitet zu sein. Auch die Idee, gepflegte Wassertretbecken mit einer geringeren Wassermenge effizienter zu betreiben, wird in der Stadt diskutiert. Fest steht: Mit jedem weiteren heißen und trockenen Sommer steigt der Druck auf die Infrastruktur der Kneippstadt.



