Ein schweres Gewitter mit Hagel und Starkregen hat am späten Abend den Landkreis Unterallgäu getroffen. Besonders betroffen sind die Gebiete rund um die Kreisstadt Mindelheim. Innerhalb weniger Minuten fielen Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern und verwandelten die Felder in ein weißes Band. Die Gewitterfront zog von Westen nach Osten und entlud sich vor allem über den Ortsteilen Unterrieden, Oberrieden, Nassenbeuren und Mindelau. Erst in den frühen Morgenstunden beruhigte sich die Lage wieder.
Ernte in vielen Bereichen total zerstört
Die Landwirte der Region stehen fassungslos vor ihren Äckern. Das Getreide ist plattgedrückt, die Halme geknickt, die Körner ausgedroschen. Nach Angaben des Landratsamts Unterallgäu sind vor allem Winterweizen, Gerste, Raps und Mais betroffen. In manchen Gemarkungen ist die Erntemenge zu 100 Prozent vernichtet. Der Bayerische Bauernverband spricht in einer ersten Bilanz von einer „Katastrophe“ für die betroffenen Betriebe. Doch nicht nur die Landwirtschaft hat gelitten: Auch Gärten und Obstwiesen wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Bäume entwurzelt, Dächer beschädigt – die Gesamtschäden sind immens.
Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht beschäftigt. Die Feuerwehren pumpten vollgelaufene Keller, räumten umgestürzte Bäume von den Straßen und sicherten beschädigte Dächer. Die Polizei meldete mehrere Unfälle wegen Aquaplaning und umgestürzter Bäume. Verletzt wurde niemand, doch der Sachschaden dürfte beträchtlich sein.
Existenzängste in der Landwirtschaft
Für viele Bauern ist die Vernichtung der Ernte ein existenzbedrohender Schlag. Die Ernte, die in den kommenden Wochen hätte eingebracht werden sollen, ist nun wertlos. Betriebe, die keine Versicherung gegen Hagelschäden haben, stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. In den vergangenen Jahren hatten viele Landwirte ihre Ernteversicherungen gekündigt, weil die Prämien stark gestiegen waren. Diese Entscheidung rächt sich nun bitter. Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb eine staatliche Unterstützung. Das Landwirtschaftsamt Mindelheim hat bereits ein Schnellmeldeverfahren eingerichtet, damit die betroffenen Betriebe ihre Schäden erfassen können. Gutachter sollen in den kommenden Tagen die Flächen begutachten.
Der Freistaat Bayern hat schnelle Hilfe zugesagt. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigte sich betroffen und kündigte an, dass man die Lage ernst nehme. Ob und in welcher Höhe die Landwirte entschädigt werden, ist jedoch noch unklar. Die Erfassung der Schäden wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Millionenschäden auch in der Tierhaltung
Die Folgen des Unwetters treffen nicht nur Ackerbauern. Auch Tierhalter müssen nun zusehen, wie sie ihre Tiere füttern. Das zerstörte Futtergras und der vernichtete Mais können nicht mehr siliert werden. Es droht eine Futterknappheit im kommenden Winter. Zukäufe von Futtermitteln treiben die Kosten in die Höhe. Der Bayerische Bauernverband schätzt den Gesamtschaden im Landkreis auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Konkrete Zahlen werden erst nach Abschluss der Gutachten vorliegen.
Auch die Verbraucher könnten die Folgen spüren. Die regionalen Mühlen und Ölmühlen erhalten weniger Rohstoffe aus der Region. Ob sich das auf die Preise für Brotgetreide und Speiseöl auswirkt, hängt von der gesamten Erntelage in Deutschland ab. Das Unterallgäu ist nur eine von vielen Erzeugerregionen, dennoch ist der Ausfall einer ganzen Ernte ein Signal.
Wetterlage bleibt angespannt
Der Deutsche Wetterdienst warnt bereits für die nächsten Tage vor weiteren schweren Gewittern. Die Luft über Süddeutschland bleibt feucht und labil, sodass erneut Hagel und Starkregen möglich sind. Für die geschundenen Felder wäre ein weiteres Unwetter verheerend. Die Bauern hoffen nun auf eine trockene Witterung, um die verbliebenen Pflanzen noch ernten zu können. Doch die Zeit drängt: Sollten weitere Unwetter über die Region ziehen, ist auch die Rest-Ernte bedroht.
Das Unwetter im Unterallgäu zeigt, wie verwundbar die Landwirtschaft gegenüber Extremwetterereignissen ist. Ohne finanzielle Absicherung und schnelle staatliche Hilfen bleiben viele Familien auf den Trümmern ihrer Existenz sitzen. Die Debatte über eine verpflichtende Ernteversicherung wird durch solche Ereignisse immer lauter.



