Letzte Ketwurst-Bude in Berlin schließt
Der Kultimbiss „Alain‘ Snack“ an der Schönhauser Allee im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg steht vor dem Abriss. Die Bude, die noch die legendäre DDR-Spezialität Ketwurst anbietet, muss einem Neubau weichen. Das berichtet die Berliner Zeitung. Damit verschwindet einer der letzten Orte, an denen diese ostdeutsche Fast-Food-Variante erhältlich ist.
Was ist Ketwurst?
Ketwurst ist eine Kombination aus Ketchup und Wurst – im Prinzip eine heiße Bratwurst im Brötchen, die mit Ketchup und oft auch mit Senf serviert wird. Der Name ist ein Kunstwort aus „Ketchup“ und „Wurst“. In der DDR war Ketwurst ein beliebter Snack, der an vielen Imbissständen verkauft wurde. Nach der Wiedervereinigung verschwanden die meisten Ketwurst-Stände, da sie durch westliche Fast-Food-Ketten verdrängt wurden.
Ein letztes Stück DDR-Kulinarik
„Alain‘ Snack“ galt als letzte Bastion der Ketwurst in Berlin. Der Imbiss an der Ecke Schönhauser Allee und Wisbyer Straße war seit Jahren ein Treffpunkt für Nostalgiker und Liebhaber der DDR-Küche. Nun soll das Gebäude abgerissen werden, um Platz für ein neues Wohn- und Geschäftshaus zu machen. Die Betreiber haben bereits angekündigt, keinen neuen Standort zu suchen.
Weitere DDR-Spezialitäten in Berlin
Wer auch nach dem Abriss von „Alain‘ Snack“ noch DDR-Kult-Spezialitäten genießen möchte, hat in Berlin noch einige Optionen. So gibt es beispielsweise in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain die „Konnopke’s Imbiss“, die seit 1930 existiert und traditionelle Currywurst anbietet – allerdings nicht Ketwurst. In Lichtenberg betreibt der Imbiss „Zum Kartoffelkeller“ eine Speisekarte mit ostdeutschen Klassikern wie Soljanka und Jägerschnitzel. Auch in den Stadtteilen Marzahn und Hellersdorf finden sich noch einige Stände, die Ketwurst im Angebot haben, jedoch in geringer Zahl.
Laut einer Erhebung des Berliner Verbands der Gastronomen (BVG) aus dem Jahr 2024 gibt es deutschlandweit nur noch schätzungsweise 15 Imbisse, die original DDR-Ketwurst anbieten. Die meisten davon befinden sich in den neuen Bundesländern.
Reaktionen auf den Abriss
Der Abriss stößt bei Anwohnern und Berlin-Touristen auf Bedauern. „Hier habe ich schon als Kind mit meinem Opa Ketwurst gegessen“, sagt der 45-jährige Berliner Markus Schneider. „Es ist schade, dass wieder ein Stück Berliner Geschichte verschwindet.“ Auch in den sozialen Medien wird der Verlust diskutiert. Viele fordern eine Denkmalausweisung des Standortes, doch das Bezirksamt Pankow lehnte dies mit Verweis auf die fehlende historische Bedeutung des Gebäudes ab.
Ausblick
Der Abriss von „Alain‘ Snack“ ist für den Herbst 2026 geplant. Bis dahin können Gäste noch einmal die originale Ketwurst genießen. Danach muss man sich für den DDR-Kult-Snack auf die Suche in andere Berliner Bezirke machen oder auf alternative Angebote wie die „Currywurst vom Grill“ ausweichen. Der Trend zu nostalgischen Imbissen hält zwar an, doch die originale Ketwurst wird zunehmend eine Rarität.



