In Naumburg hat Café-Besitzer Steffen Pretzsch eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: Seit er mit zwei Tafeln am Dom auf sein „Original DDR-Softeis“ hinweist, hat sich sein Eisumsatz verdoppelt. Der 56-Jährige zeigt sich überrascht über den Erfolg, der zeigt, wie sehr die kühle Leckerei aus Ostzeiten noch immer gefragt ist.
Doch was genau macht DDR-Softeis aus? Laut Torsten Langbein, Vertriebschef der Firma Ablig Feinfrost, ist es keine geschützte Marke, sondern basiert auf einem „erlernten Geschmack“. Die Besonderheit liegt in den Eismaschinen: Der VEB Kältetechnik Niedersachswerfen produzierte die „Ilka Eisfreezer“, die im Gegensatz zu westlichen Pumpenmaschinen weniger Luft ins Eis schlagen. Das Ergebnis ist ein festeres Eis mit anderem Mundgefühl.
Viele Eisdielen in Ostdeutschland setzen noch auf die alten Maschinen aus den 80er Jahren. Ulrike Helbig betreibt in ihrer „Eisfabrik“ in Gößnitz drei solcher Geräte, zwei für die Produktion und eines als Ersatzteilspender. Sie begann 2015 neben ihrem Pflegejob mit dem Softeis und widmet sich seit 2018 vollständig dem Geschäft.
Ein weiteres Geheimnis ist das Eispulver. Café-Inhaber Pretzsch bezieht seine Mischung von der Firma Komet aus Großpostwitz, die bereits zu DDR-Zeiten lieferte. Er rührt Schoko und Vanille „Classic“ mit Wasser an, um den erfrischenden, nicht zu süßen Geschmack von früher zu erreichen. Vertriebsleiter Sebastian Bartsch betont jedoch, dass die Rezeptur heute nicht identisch sei, da andere Rohstoffe und Vorschriften gelten.
Der Trend geht über die Grenzen Ostdeutschlands hinaus. Komet verkauft zunehmend nach Westdeutschland, Österreich und sogar Italien. Auch der zweite große Hersteller Anona aus Colditz beobachtet wachsendes Interesse aus dem Westen. Das Unternehmen produziert jährlich rund 1000 Tonnen Eispulver nach einer Rezeptur von 1970, die im Kern unverändert geblieben ist.



