Evers: Büros zu Wohnungen umbauen statt enteignen
Evers will Büros zu Wohnungen umbauen statt enteignen

Berlin – CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers bringt neue Vorschläge in den Berliner Wohnungsbau-Wahlkampf ein. Der Finanz- und Kultursenator plädiert dafür, ungenutzte Büro- und Gewerbeimmobilien in Wohnraum umzuwandeln. Zugleich sieht er großes Potenzial bei Aufstockungen von Berliner Gebäuden. Seine Kernbotschaft: Keine Enteignungen, aber neue Wohnungen durch Umbau und Nachverdichtung.

Umbau von Büros als schnelle Lösung?

Angesichts der angespannten Wohnungslage in der Hauptstadt setzt Evers auf unkonventionelle Wege. „Wir sollten ungenutzte Büro- oder Gewerbeimmobilien zumindest temporär in Wohnraum umwandeln“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Eine eigens dafür eingerichtete „Umbauagentur“ könnte Eigentümerinnen und Eigentümer dabei unterstützen, so der CDU-Politiker. Der Vorteil liege auf der Hand: Solche Projekte könnten deutlich schneller realisiert werden als Neubauten, weil bereits Infrastruktur und Gebäudestruktur vorhanden seien.

Besonders nach der Corona-Pandemie seien viele Büroflächen nicht mehr ausgelastet, argumentierte Evers. Die Umnutzung biete die Chance, Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass nicht jedes Bürogebäude ohne Weiteres für Wohnzwecke geeignet ist – etwa wegen fehlender Fenster in jedem Raum oder anderer Brandschutzauflagen. Evers räumte ein, dass Umbauten an Grenzen stoßen können, sprach sich aber dennoch für eine temporäre Nutzung aus.

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Aufstockungen: Zehntausende neue Wohnungen auf Berlins Dächern

Ein weiterer Vorschlag des Senators betrifft das Aufstocken von Bestandsgebäuden. „Wir könnten theoretisch zehntausende neue Wohnungen durch Aufstockungen auf den Dächern Berlins schaffen“, sagte Evers. Diese Möglichkeit scheitere jedoch derzeit an rechtlichen und wirtschaftlichen Hürden. Bauordnungsrecht, Denkmalschutz und die Statik der Gebäude machten eine Umsetzung oft schwierig. Zudem müssten Eigentümer wirtschaftliche Anreize erhalten, um Investitionen in die Aufstockung zu tätigen.

Evers schlug vor, die Hürden gezielt abzubauen, etwa durch Verfahrensbeschleunigung und Förderprogramme. Er verwies darauf, dass Aufstockungen nicht nur in innerstädtischen Lagen möglich seien, sondern auch in vielen Außenbezirken. So ließe sich Wohnraum schaffen, ohne dass neue Flächen ausgewiesen werden müssten. Der CDU-Politiker betonte, dass dies ein Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes sein könne, auch wenn es keine flächendeckende Lösung biete.

Keine Enteignungen: Warnung vor populistischen Forderungen

Die Umsetzung des erfolgreichen Volksentscheids zur Enteignung großer Immobilienunternehmen lehnt Evers dagegen weiterhin strikt ab. „Der populistische Ruf nach Massenenteignungen führt nur dazu, dass das Problem immer größer wird“, warnte er. Die Androhung von Enteignungen verschrecke Investoren und führe dazu, dass dringend benötigter Wohnraum gar nicht erst gebaut werde. „Viele Wohnungen wurden in den letzten Jahren nicht errichtet, weil Investoren eine linke Regierung in Berlin fürchten“, so Evers.

Statt auf Enteignung setze er auf Kooperation und Anreize. Die Stadt solle Investoren Planungssicherheit bieten und gleichzeitig soziale Auflagen machen. Evers kritisierte, dass die bisherige politische Debatte zu oft auf Konfrontation setze. Das verschlimmere die Krise am Wohnungsmarkt, statt sie zu lösen. Er verwies auf erfolgreiche Modelle in anderen Städten, wo Wohnungsunternehmen und Kommunen gemeinsam Projekte entwickelten.

Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld

Statt sich auf Enteignungen zu konzentrieren, plädiert Evers für eine Nutzung des Tempelhofer Feldes. „Ich erfahre sehr viel positive Rückmeldungen für den Vorschlag, am Rand des Tempelhofer Feldes bezahlbare Wohnungen für 50.000 Menschen zu bauen“, sagte er. Bei einem Volksentscheid im Jahr 2014 hatte sich eine deutliche Mehrheit gegen eine Bebauung des Geländes ausgesprochen. Das Feld wird seitdem als Park und Erholungsfläche genutzt. Evers will nun offenbar eine neue Debatte anstoßen, um zumindest die Randbereiche für Wohnungsbau zu öffnen.

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Der CDU-Politiker argumentierte mit sozialer Gerechtigkeit: „Ich kann niemandem in Lichtenberg erklären, warum dort grüne Innenhöfe bebaut werden, während in zentraler Lage ein so großes Potenzial nicht genutzt wird.“ Diese Aussage dürfte für Diskussionen sorgen, denn Gegner einer Bebauung verweisen auf den Volksentscheid und den Wert der Freifläche für das Stadtklima und die Erholung. Evers hält dagegen: Angesichts der Wohnungsnot müsse man alle Optionen prüfen und dürfe sich nicht tabuisieren lassen.

Die Debatte dürfte den Wahlkampf in Berlin weiter anheizen. Der Wohnungsmangel ist eines der zentralen Themen vor der Abgeordnetenhauswahl. Während die einen auf Enteignungen setzen, vertraut Evers auf marktwirtschaftliche Instrumente und bauliche Verdichtung. Ob seine Vorschläge mehrheitsfähig sind, ist ungewiss – doch sie setzen einen Kontrapunkt in einer aufgeheizten Diskussion.