Die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg hat offenbar nicht zu einem Rückgang der Kriminalität geführt. Eine Auswertung der Berliner Polizei zeigt, dass die Zahl der möglichen Straftaten in und um den Park auch während der dreimonatigen Schließung hoch blieb. Der Versuch, die als kriminalitätsbelastet geltende Grünanlage durch nächtliche Tore zu befrieden, brachte damit keinen Durchbruch.
Hintergrund der nächtlichen Schließung
Seit Anfang April 2026 war der Görlitzer Park zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Maßnahme war von der Berliner Senatsinnenverwaltung und der Polizei beschlossen worden, um Drogenhandel, Gewalttaten und andere Straftaten einzudämmen. Der Park hatte in den vergangenen Jahren wiederholt negative Schlagzeilen gemacht und galt als einer der Brennpunkte der Kriminalität in der Hauptstadt.
Die Schließung erfolgte mit mobilen Zäunen und verstärkten Polizeistreifen. Anwohner und Geschäftsleute hatten sich zuvor über Lärm und Belästigungen beschwert. Die Maßnahme war jedoch umstritten: Kritiker bemängelten, dass die Probleme lediglich in umliegende Straßen verlagert würden und eine reine Verdrängungswirkung eintrete.
Polizeiauswertung zeigt anhaltend hohe Fallzahlen
Die jetzt vorgelegte Auswertung der Berliner Polizei bestätigt diese Befürchtungen. Laut dem Bericht blieb die Zahl der registrierten Straftaten im Park und im unmittelbaren Umfeld nahezu unverändert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei kein signifikanter Rückgang zu verzeichnen. Im Gegenteil: In den Nachtstunden kam es in angrenzenden Straßen zu einem leichten Anstieg von Diebstählen und Körperverletzungen.
Ein konkreter Wert wird in der Auswertung genannt: Während der Schließungszeit wurden durchschnittlich 2,1 Straftaten pro Nacht im Park und im Umfeld registriert – exakt so viele wie im Vorjahreszeitraum ohne Schließung. Die Polizei spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“.
Reaktionen aus Politik und Anwohnerschaft
Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse. „Wir haben gehofft, dass die nächtliche Schließung eine spürbare Verbesserung bringt. Leider hat sich das nicht bestätigt“, sagte sie. „Wir müssen nun andere Wege finden, um die Sicherheit im Görlitzer Park zu erhöhen.“
Anwohnerinitiativen reagierten mit gemischten Gefühlen. „Die Schließung hat die Nachtruhe verbessert, aber die Kriminalität ist nicht weniger geworden“, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative „Görli für alle“. „Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung: mehr Sozialarbeit, bessere Beleuchtung und mehr Polizeipräsenz auch tagsüber.“
Ausblick: Neue Konzepte gefordert
Die Debatte um den Görlitzer Park wird damit neu entfacht. Die Senatsverwaltung kündigte an, noch im August ein neues Sicherheitskonzept vorzulegen. Mögliche Maßnahmen sind eine verstärkte Videoüberwachung, mehr Streetworker und eine Neugestaltung des Parks. Auch eine zeitlich begrenzte Schließung zu anderen Zeiten wird diskutiert.
Der Görlitzer Park bleibt ein Symbol für die Herausforderungen der öffentlichen Ordnung in Berlin. Der Versuch, mit einfachen Mitteln wie nächtlichen Schließungen Kriminalität zu bekämpfen, ist nach dieser Auswertung gescheitert. Nun müssen langfristige und nachhaltige Lösungen her.



