Sieben Wochen lang wird Berlin von einer Wahlplakate-Materialschlacht überzogen. Eine Viertelmillion Plakate hängen derzeit in der gesamten Stadt – an Laternen, an Bauzäunen, an Litfaßsäulen. Kasupke, Kommentator der Berliner Morgenpost, sieht darin eine unnötige Belastung für die Hauptstadt. In seiner Kolumne vom 3. August 2026 findet er klare Worte: „Ick bin keen Freund von Wahlplakaten.“ Die Berliner Schnauze ist unverkennbar.
Die Argumente der Marketing-Experten
Marketing-Experten verteidigen die Plakatflut. Ohne Plakate, so ihre These, hätten die Parteien keine Chance, ihre Botschaften und ihre Kandidatengesichter unter die Leute zu bringen. In einer Metropole wie Berlin mit Millionen Einwohnern sei das Plakat ein unverzichtbares Medium, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Kasupke hingegen zweifelt, ob diese Strategie wirklich aufgeht. Wenn Umfragen zeigten, wie wenig bekannt die Politiker und Politikerinnen seien, stelle sich die Frage, ob die plakative Präsenz überhaupt Wirkung entfalte.
Ein Overkill an Papier und Pappe
Der Autor beklagt den Überbietungswettbewerb der Parteien. Jede politische Kraft versuche, die andere mit noch mehr Plakaten zu übertreffen. Das Ergebnis sei eine ästhetische und ökologische Zumutung. Die Viertelmillion Plakate verschandeln die Straßen und erzeugen tonnenweise Abfall, der später mühsam entsorgt werden muss. Kasupke fragt sich: „Is det nötich?“ – und seine Antwort ist ein klares Nein. Die Materialschlacht sei reine Symbolpolitik, ohne substanziellen Mehrwert für die Wähler.
Dreistigkeit: Plakate vor dem erlaubten Termin
Neben der Masse stößt sich Kasupke an der Dreistigkeit der Parteien, die Plakate immer früher aufzuhängen, als es gesetzlich erlaubt ist. Regelmäßig würden die Regeln gebrochen, ohne dass dies Konsequenzen hätte. Für den Kolumnisten ist das ein Zeichen von fehlendem Respekt gegenüber Recht und Ordnung. In einer Demokratie, die auf Vertrauen und Fairness aufbaut, sei solches Verhalten beschämend. Die Parteien nähmen es mit den Gesetzen nicht genau, sobald es um den eigenen Machterhalt gehe.
Die Wirkungslosigkeit der Plakatflut
Zahlreiche Kommunikationswissenschaftler haben in den vergangenen Jahren belegt, dass die Wirkung von Wahlplakaten auf die tatsächliche Wahlentscheidung gering ist. Zwar steigern Plakate den Wiedererkennungswert von Kandidatinnen und Kandidaten, informieren aber selten über konkrete Inhalte oder politische Programme. Stattdessen empfinden viele Passanten die Flut als Reizüberflutung und Belästigung. Kasupke schlussfolgert, dass die Parteien besser daran täten, in direkte Dialoge und Diskussionen auf Augenhöhe zu investieren, statt den öffentlichen Raum systematisch zuzukleben.
Berlin verdient besseren Wahlkampf
Berlin als Kultur- und Metropolenstadt sollte nicht zu einer Plakatwüste verkommen, mahnt der Kolumnist. Die Lebensqualität leide, wenn jeder Blick auf die Straße von greller Wahlwerbung bestimmt werde. Demokratie lebe von Argumenten, Debatten und der Auseinandersetzung mit Inhalten – nicht von Masse und Marktwirtschaft im öffentlichen Raum. Weniger Plakate, dafür mehr Qualität und Substanz: Das wäre ein würdiger Umgang mit den Berlinerinnen und Berlinern, die sich eine seriöse politische Auseinandersetzung wünschen.
Appell an die Parteien
Kasupke appelliert an alle Parteien, sich zu besinnen. Eine deutliche Reduzierung der Plakate auf ein vernünftiges Maß würde nicht nur die Stadt entlasten, sondern auch die Chancengleichheit unter den Kandidaten erhöhen. Wer mit so viel Material und so viel Krawall zu punkten versuche, offenbare vor allem eines: den Mangel an eigenen Ideen. Nachdrücklich fordert der Autor, die gesetzlich festgelegten Fristen einzuhalten und den öffentlichen Raum mit Respekt zu behandeln. Die Wahlplakate-Materialschlacht sei übertrieben, unnötig und schade letztlich dem Ansehen der gesamten Politik.
Sie erreichen den Autor unter: kasupke@morgenpost.de.



