KI-Videokameras am Kottbusser Tor: Pilotprojekt startet
KI-Videokameras am Kottbusser Tor: Pilotprojekt startet

Die Berliner Polizei startet noch in diesem Monat ein Pilotprojekt mit neuartigen Videokameras, die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Das teilte die Innenverwaltung mit. Zuerst hatte die „Berliner Morgenpost“ berichtet. Zum Einsatz kommt die Technik zunächst am Kottbusser Tor in Kreuzberg, später auch an der Warschauer Straße in Friedrichshain. Beide Orte gelten als Kriminalitätsschwerpunkte.

KI soll Angriffe blitzschnell erkennen

Ziel des Systems ist eine sogenannte Verhaltens- und Situationserkennung. Die KI wertet die Kamerabilder live aus und erkennt auffällige Bewegungsmuster von Menschen. So soll sie die Polizei dabei unterstützen, Angriffe wie Schlägereien oder andere Straftaten auf offener Straße schneller zu bemerken als bisher.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, dass es dabei nicht um Überwachung oder biometrische Identifizierung gehe. „Das Gesicht wird nicht erkennbar sein. Es geht um die Bewegungsabläufe“, erläuterte die Senatorin. „Wenn jemand zusammengeschlagen wird, sind das ja keine normalen Bewegungsabläufe. Und die KI kann das identifizieren.“

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Nur Strichmännchen auf dem Bildschirm

Die Einsatzkräfte sehen auf ihren Bildschirmen laut Spranger lediglich Strichmännchen und deren Bewegungen. Ob eine Situation tatsächlich ungewöhnlich ist, entscheiden demnach weiterhin Menschen. „Die KI weist darauf hin, dass etwas ungewöhnlich sein könnte. Was dann zu tun ist, entscheidet aber ein Mensch“, so die SPD-Politikerin.

Verläuft der Pilotversuch erfolgreich, soll der KI-Einsatz schrittweise auf weitere stark kriminalitätsbelastete Bereiche in Berlin ausgeweitet werden. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest.

Objektschutz: KI-Wachen ab Dezember

Parallel plant die Innenverwaltung den Einsatz der KI-Technik auch beim Objektschutz. Konkret geht es zunächst um das Rote Rathaus und den Dienstsitz der Innenverwaltung in der Klosterstraße. Für diese Standorte läuft eine Ausschreibung; bis Ende September soll feststehen, welcher Anbieter den Zuschlag erhält.

Der Testlauf für den Objektschutz soll im Dezember beginnen und etwa ein Jahr dauern, so die Innenverwaltung. Auch hier gilt: Die KI erkennt auffälliges Verhalten, die Entscheidung über Maßnahmen bleibt aber beim Personal.

Kosten: Millionen für die Technik

Für den Einsatz an kriminalitätsbelasteten Orten sind für die Jahre 2026 bis 2030 Investitionskosten von schätzungsweise 2,47 Millionen Euro veranschlagt. Dazu kommen Betriebskosten von etwa 2,13 Millionen Euro. Für den Objektschutz werden für 2026/2027 Investitionen von rund 1,76 Millionen Euro und Betriebskosten von 355.000 Euro erwartet.

Die rechtliche Grundlage für den KI-Einsatz bildet das im Dezember 2025 geänderte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) des Landes Berlin. Im März dieses Jahres wurde das Vorhaben im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses beraten. Dabei stand zunächst auch zur Debatte, das Abgeordnetenhaus selbst mit KI-gestützten Kameras zu schützen. Diese Pläne wurden nach Protesten von Abgeordneten allerdings aufgegeben.

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