Mahnwache im Tiergarten: 3000 gedenken der CSD-Opfer
Mahnwache im Tiergarten für CSD-Opfer

Der Schock nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin sitzt noch immer tief. Eine Woche nach der Tat haben sich am Sonntag rund 3000 Menschen zu einer Mahnwache im Berliner Tiergarten versammelt – unweit des Tatorts. Sie gedachten der Opfer, zeigten ihre Trauer und setzten ein Zeichen gegen Gewalt und Queerfeindlichkeit.

Mahnwache nahe dem Tatort

Die Veranstaltung begann am späten Nachmittag und verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Im Tiergarten herrschte eine nachdenkliche, teils bedrückende Stimmung. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und hielten still für einen Moment der Stille. In Reden und auf Schildern wurde die Forderung nach mehr Schutz für queere Menschen laut.

Bereits in den Tagen zuvor hatte es in der Stadt zahlreiche spontane Gedenkaktionen gegeben. Die Mahnwache im Tiergarten war jedoch die bislang größte offizielle Veranstaltung, die nach dem Anschlag stattfand. Veranstalter sprachen von einem „wichtigen Signal der Solidarität“, das weit über die queere Community hinausgehe.

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Hamburg setzt ein Zeichen mit 300.000 Menschen

Parallel zur Berliner Mahnwache fand in Hamburg die traditionelle Pride statt. Unter dem Motto „Liebe verbindet“ demonstrierten und feierten rund 300.000 Menschen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Die Veranstalter betonten, dass die Demonstration in diesem Jahr besonders emotional gewesen sei: Der Anschlag von Berlin habe die Dringlichkeit klar vor Augen geführt, für queere Rechte einzustehen.

Die Hamburger Polizei meldete keine größeren Zwischenfälle. Die Stimmung sei ausgelassen, aber auch nachdenklich gewesen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Trauerschleifen oder Schilder mit Botschaften wie „Gemeinsam gegen Hass“. Der Hamburger Senat hatte zuvor ein klares Bekenntnis gegen jede Form von Diskriminierung abgegeben.

Polizei erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Die Berliner Polizei reagiert unterdessen mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen auf den Anschlag. Rund um den Tiergarten und in der Nähe künftiger Großveranstaltungen werden derzeit Poller montiert. Das bestätigte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Die mobilen und fest installierten Barrieren sollen den Schutz von Menschenansammlungen erheblich verbessern und Fahrzeuge als Tatwerkzeuge verhindern.

Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts, das nach dem Anschlag erarbeitet wurde. Es sieht unter anderem verstärkte Streifen rund um LGBTQ-Events sowie eine engere Zusammenarbeit mit Veranstaltern vor. Auch die Überprüfung von Gefahrenbereichen wurde intensiviert. Innensenatorin und Innensenator dankten der Polizei für ihren Einsatz und sprachen von einem „neuen Kapitel der Sicherheitsarchitektur“.

Anschlag auf den CSD: die Lage eine Woche danach

Bei dem Angriff auf den CSD in Berlin waren mehrere Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts dauern an. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden von einem gezielten Anschlag mit möglichem politischem Hintergrund aus. Ein Tatverdächtiger wurde noch am selben Tag festgenommen, weitere Personen befinden sich in Untersuchungshaft.

Die queere Community in Berlin zeigt sich nach der Tat tief verunsichert. Viele fragen sich, wie es weitergeht und ob Veranstaltungen wie der CSD in der bisherigen Form noch sicher möglich sind. Die Veranstalter des Berliner CSD kündigten an, an der Tradition festzuhalten, jedoch mit einem neuartigen Sicherheitskonzept.

Bundesweit gibt es unterdessen eine Welle der Anteilnahme. Politikerinnen und Politiker von Bund und Ländern verurteilten den Anschlag auf das Schärfste. Zahlreiche Botschaften aus dem Ausland drückten ihr Mitgefühl aus. Auch in sozialen Medien ist die Solidarität ungebrochen.

Forderungen nach besserem Schutz und mehr Prävention

Der Anschlag hat eine breite Debatte über die Sicherheit von LGBTQ-Veranstaltungen ausgelöst. Queere Verbände fordern einen nationalen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit. Dazu gehören mehr Notruf-Säulen und Videoüberwachung an zentralen Orten sowie Schulungen für Einsatzkräfte. Zudem müsse die Justiz stigmatisierende Taten konsequenter strafen.

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Die Politik hat reagiert: Das Bundesinnenministerium kündigte an, die Fördermittel für Beratungsstellen und Sicherheitsmaßnahmen bei Großevents aufzustocken. Im Haushalt sind dafür zusätzliche Millionen eingeplant. Die Umsetzung soll noch in diesem Jahr beginnen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und der Polizei.

Bei der Mahnwache im Tiergarten wurde eine weitere Forderung laut: Erinnerungskultur darf nicht auf den Gedenktag beschränkt bleiben. Es brauche ganzjährige Projekte in Bildungseinrichtungen und in der Arbeitswelt, um Toleranz zu fördern. Erst wenn Akzeptanz zur Selbstverständlichkeit werde, könne die Gefahr solcher Anschläge nachhaltig gesenkt werden.

Ein stilles Gedenken, das nachhallt

Die 3000 Menschen im Tiergarten standen am Ende der Veranstaltung Seite an Seite, viele mit Tränen in den Augen. Rednerinnen und Redner riefen zu Zusammenhalt auf, machten aber auch deutlich: Der Schmerz ist noch groß. Die Mahnwache endete mit einer Schweigeminute – für die Opfer, für ihre Angehörigen und für eine Gesellschaft, die sich gegen Hass stellen muss.

In Hamburg wurde bis in die späten Abendstunden gefeiert – als Ausdruck von Lebensfreude und Widerstand. Doch auch dort war die Erinnerung an Berlin allgegenwärtig. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagte eine Teilnehmerin der Pride der dpa. Dieser Satz steht nun über der Woche nach dem Anschlag und wird die kommenden Wochen begleiten.