Der Senat von Berlin hat eine weitreichende Entscheidung für den Verkehr in Steglitz-Zehlendorf getroffen: Die Bundesstraße 1 (B1) im Abschnitt der Straße Unter den Eichen wird wieder für Autos zweispurig. Das teilte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt mit. Damit wird eine Änderung aus dem Jahr 2020 rückgängig gemacht, bei der der Radweg auf die Fahrbahn verlegt und die Zahl der Autospuren reduziert worden war.
Konkret geht es um das Teilstück zwischen Am Fichtenberg und Wildenowstraße. Dort stand bislang nur ein Fahrstreifen für Kraftfahrzeuge zur Verfügung, was nahezu täglich zu Staus führte. Die verkehrsrechtliche Anordnung des Senats sieht nun vor, den Bereich wieder mit zwei Spuren für Autos auszustatten. Diese Entscheidung folgt einer Empfehlung des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf.
Rückstau und Probleme an der A103
Die jahrelange Reduktion auf eine Fahrspur hatte nach Angaben des Senats erhebliche negative Folgen. In der amtlichen Mitteilung heißt es, die Veränderung habe „stadtauswärts zu einem täglichen Rückstau auf der Bundesstraße und mitunter zu erheblichen Schwierigkeiten an der Kreuzung mit der BAB A 103 geführt“. Die neue Anordnung soll dieses Problem nun beheben. Zudem verspricht sich der Senat eine „Wiederbeschleunigung des Busangebotes“ auf der Strecke.
Die Kreuzung mit der A103 ist einer der neuralgischen Punkte im Berliner Südwesten. Viele Pendler aus dem Umland nutzen die B1 als Zubringer zur Autobahn. Ein Rückstau in diesem Bereich wirkte sich bis in die Nebenstraßen aus. Durch die Wiederherstellung der zweiten Spur erhofft sich die Verkehrsverwaltung einen flüssigeren Verkehr und eine Entlastung für die gesamte Region.
Besonders betroffen von den Behinderungen war auch der öffentliche Personennahverkehr. Busse, die entlang der B1 verkehren, mussten regelmäßig im Stau stehen. Die Senatsverwaltung erhofft sich durch die zusätzliche Fahrspur eine spürbare Verbesserung der Pünktlichkeit, da die Busse künftig besser durchkommen.
Neue Wege für Radfahrer
Für Radfahrer ändert sich auf diesem Abschnitt allerdings einiges: Sie müssen künftig wieder den Gehweg mit Fußgängern teilen. Der Senat kündigte an, einen gemeinsamen Geh- und Radweg einzurichten. Diese Lösung ist nicht unumstritten, da Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern auf kombinierten Wegen häufig vorprogrammiert sind. Dennoch sieht der Senat offenbar keine Alternative, um den Autoverkehr auf der Bundesstraße zu entlasten. Die Anordnung ist eine klare Priorisierung des Autoverkehrs an dieser Stelle.
Die bisherige Alternative für Radfahrer in Richtung Zehlendorf-Mitte ist in einem schlechten Zustand. Der Radweg, der parallel zur B1 verläuft, weist zahlreiche Schäden auf und ist laut Bezirksangaben kaum nutzbar. Mit der Verlegung des Radwegs auf den Gehweg könnte sich die Situation für Fußgänger und Radfahrer weiter verschärfen. Der Senat kündigte jedoch an, die Umbaumaßnahmen eng zu begleiten und die Verkehrssituation im Auge zu behalten. Man wolle die Auswirkungen beobachten und bei Bedarf nachsteuern.
Verteilung des Straßenraums bleibt umstritten
Die Entscheidung in Steglitz-Zehlendorf zeigt exemplarisch, wie schwierig die Verteilung des begrenzten Straßenraums in Berlin ist. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach einer Verkehrswende und mehr Fläche für Fahrräder. Auf der anderen Seite sind Hauptverkehrsstraßen wie die B1 für den Autoverkehr und den öffentlichen Nahverkehr von zentraler Bedeutung. Die zeitweise Bevorzugung des Radverkehrs auf der Fahrbahn hatte zu erheblichen Einschränkungen für den motorisierten Verkehr geführt, was letztlich zu einer Kurskorrektur des Senats führte.
Der Senat betont, dass die Entscheidung nicht als Ablehnung des Radverkehrs missverstanden werden darf. Vielmehr gehe es darum, eine ausgewogene Lösung zu finden, die sowohl den Verkehrsfluss als auch die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet. Ob der gemeinsame Geh- und Radweg dieser Vorgabe gerecht wird, wird sich in der Praxis zeigen müssen. Die kommenden Monate, in denen der Umbau begleitet wird, dürften darüber Aufschluss geben.
Für Autofahrer bedeutet die Anordnung eine spürbare Verbesserung: Der tägliche Stau, der sich seit 2020 gebildet hat, könnte bald der Vergangenheit angehören. Radfahrer müssen sich hingegen auf eine weniger komfortable Route einstellen. Die Entwicklungen auf der B1 werden mit Spannung verfolgt – als Beispiel für den Umgang mit den Verkehrsherausforderungen in einer wachsenden Stadt. Die ersten Auswirkungen der neuen Verkehrsführung werden vermutlich schon in einigen Wochen zu spüren sein, sobald die Markierungen und Schilder entsprechend angepasst sind.



