Der Brand auf der mittelalterlichen Runneburg in Weißensee ist Ermittlungsergebnissen zufolge sehr wahrscheinlich auf einen technischen Defekt an einer Stromleitung zurückzuführen. Die Polizei teilte mit, dass die Brandausbruchsstelle in einem früher als Küche genutzten Gebäude zwischen Palasturm und Wagenhaus lokalisiert wurde. Vermutlich wurde die Leitung zuvor durch Nagetiere beschädigt.
In der Folge kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem über mehrere Tage andauernden Schwelbrand im alten Gebälk einer Zwischendecke, bevor das Feuer auf das Gebäude übergriff. Das Küchenhaus mit seiner Holzkonstruktion wurde bei dem Brand in der Nacht zum Donnerstag zerstört, nur noch die Außenmauern stehen. Die Feuerwehren konnten ein Übergreifen der Flammen auf den benachbarten Palasturm der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg verhindern.
Hinweise auf eine Brandstiftung ergaben die Ermittlungen nicht. Die konkrete Schadenshöhe konnte die für das Kulturdenkmal verantwortliche Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bislang nicht beziffern. „Das ist komplex“, sagte der Sprecher der Stiftung, Franz Nagel. Neben dem Küchengebäude erlitt eine Tür umgebende Sandstein Hitzeschäden, das Fassadenmauerwerk aus Naturstein verfärbte sich, die Dachrinnen schmolzen. Auch am Dach und einem Gaubenfenster sind Schäden zu verzeichnen.
Die Mauern müssen zunächst notdürftig gesichert und vor dem Einsturz bewahrt werden. Neben den Notsicherungen stehe der Turm im Fokus, sagte Stiftungsdirektorin Doris Fischer. Dafür hat die Stiftung zu Spenden aufgerufen und ein Spendenkonto eingerichtet. „Historische Denkmale dieser Dimension sind nicht versichert, und bestimmte Schäden müssen schnell untersucht und behoben werden“, erläuterte Fischer. Eine weitere Spendensammlung zugunsten der Runneburg läuft auf Privatinitiative in einem sozialen Netzwerk, bislang sind mehr als 4.000 Euro eingegangen.
Die Runneburg zählt laut Stiftung zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. In kaum einer Anlage sei so viel originale Bausubstanz des Hochmittelalters erhalten. Die Stiftung bezeichnet sie auch als „kleine Schwester“ der Wartburg.



