Der frühere Bunker der DDR-Auslandsspionage in Gosen bei Berlin öffnet nach der Winterpause wieder für Besucher. Am 26. und 27. März finden die ersten Führungen statt. Angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wollen Experten einen Bogen vom Kalten Krieg zur heutigen Situation schlagen.
Jörg Diester vom Verein Bunker-Dokumentationsstätten erläutert, welche Ausweichquartiere im Fall eines militärischen Konflikts in Deutschland zur Verfügung stünden. Seine Bilanz ist ernüchternd: Keine der einst 24 öffentlichen Zivilschutzanlagen in Berlin könnte genutzt werden. Bundesweit sieht es laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nicht anders aus. Die funktionale Erhaltung öffentlicher Schutzräume sei 2007 eingestellt worden.
2357 Bunker mit Platz für etwa 1,4 Millionen Menschen gab es einst. Heute bietet keine dieser Anlagen noch Schutz. Der Gosener Bunker ist heute ein Lernort für Geschichte. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hatte ihn 1984 am Rande der brandenburgischen Gemeinde Gosen-Neu Zittau für Spionagechef Markus Wolf als „Ausweichführungsstelle“ errichten lassen.
Das Bundesinnenministerium prüft angesichts des Ukraine-Krieges nach eigenen Angaben „das aktuelle Rückbaukonzept für Schutzräume“. Gemeinsam mit den Ländern solle zeitnah eine vollständige Bestandsaufnahme der vorhandenen Schutzräume von Bund und Ländern erfolgen. Autor Diester sieht für eine Reaktivierung wenig Chancen. Nach 2007 seien die Anlagen verkauft, umgebaut oder abgerissen worden.
Das Land Brandenburg wird zeitnah bei den kommunalen Aufgabenträgern erfragen, ob dort Schutzräume ertüchtigt werden können. Es werde auch geprüft, ob alternativ zivile Objekte vorhanden seien, die bereits jetzt als Schutzräume genutzt werden könnten. Kein Schutzraum auf dem Gebiet der ehemaligen DDR habe eine Zertifizierung als Schutzraum nach DIN erhalten, berichtete ein Sprecher des Landesinnenministeriums.
„Es gibt nur noch wenige Objekte – auch in Berlin – die als Zivilschutzanlage erhalten geblieben sind“, so Diester. „Wir schätzen, dass es aktuell in Deutschland für etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung auf diesem Wege bei einer Reaktivierung Schutzraum geben könnte.“ Um die Anlagen habe sich niemand gekümmert, sie seien technisch nicht gewartet.



