Berlin – Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal „Timmy“ sorgt nicht nur vor Ort für Aufregung, sondern auch im politischen Berlin. Im „ntv Hauptstadttalk“ mit Nikolaus Blome und Clara Pfeffer lieferten sich Ex-Linke-Chefin Katja Kipping und Blome eine hitzige Debatte über Moral, Umweltschutz und den Umgang mit Tieren.
Kipping betonte die tiefe kulturelle Verankerung des Natur- und Tierschutzes: „Von Goethe bis Fontane – Natur ist Lebensraum, nicht nur Quelle für Ausbeutung. Tiere sind mehr als eine Ware.“ Sie sah in der Anteilnahme an Timmy ein ermutigendes Zeichen.
Blome konterte scharf und warf Doppelmoral vor: „Dieselben Menschen, die jetzt mitleiden, tun sich keine Gedanken, was sie essen oder wie weltweit mit Tieren umgegangen wird.“ Das Mitgefühl sei eine Ersatzhandlung, die an den eigentlichen Problemen vorbeigehe.
Kipping verwies auf Menschen mit geringem Einkommen, die dennoch ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollten, etwa durch Umstellung der Gemeinschaftsverpflegung in Schullandheimen. Sie appellierte an ein positives Menschenbild nach Bertolt Brecht.
Moderatorin Pfeffer räumte ein, dass die mediale Begleitung zur Dramatisierung beitrage. Sie wies auf die Biodiversitätskrise hin: Täglich stürben hunderte Wale in den Meeren.
Arbeitgeber-Präsident Steffen Kampeter brachte Fakten ein: Buckelwale seien eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes, doch der Umgang mit dem einzelnen verletzten Tier werfe tierethische Fragen auf. „Nord- und Ostsee sind nicht das klassische Biotop für Buckelwale. Timmy ist eine verirrte Kreatur.“
Am Ende blieb die Frage nach Timmys konkreter Zukunft unbeantwortet – die Debatte über Moral und Doppelmoral überlagerte den eigentlichen Anlass.



