Brandenburgs Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe können zum kommenden Schulhalbjahr auf ein erweitertes digitales Kursangebot bauen. Das Land führt sechs neue Online-Fächer ein, zusätzlich zu dem bereits bestehenden Online-Kurs im Fach Recht. Das gab Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur bekannt. Die Kurse werden über die Schulcloud des Landes organisiert und sollen das Präsenzangebot der Schulen ergänzen.
„Einige Fächer können an vielen Schulen nicht angeboten werden, aber es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die sie gern machen wollen und da haben wir dann ein digitales Angebot“, sagte Hoffmann. Damit reagiert das Ministerium auf die wiederkehrende Schwierigkeit, dass nicht jede Schule in der Lage ist, ein breites Fächerspektrum in der Oberstufe anzubieten. Gerade kleinere Schulen stoßen hier häufig an ihre Grenzen.
Neue Fächer im Online-Format
Welche sechs Fächer neben Recht unterrichtet werden, ließ das Ministerium zunächst offen – ganz neu ist allerdings das Fach Psychologie. Dieser Kurs findet als dreistündiger Grundkurs statt und wird ausschließlich über die Schulcloud abgehalten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können dem Lernangebot am späten Nachmittag oder am Abend von zu Hause aus folgen. Auf diese Weise soll der digitale Unterricht in den Tagesablauf der Oberstufenschülerinnen und -schüler passen.
„Der Kurs wird als dreistündiger Grundkurs über die Schulcloud organisiert und wird am Abend oder am späten Nachmittag stattfinden, damit wir sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen“, erläuterte der Minister. Diese Struktur erlaubt es, den Online-Unterricht mit dem regulären Schulbesuch zu verbinden, ohne dass es zu zeitlichen Überschneidungen kommt.
Begrenzte Plätze, große Nachfrage
Für jedes der digitalen Fächer stehen lediglich 15 Plätze zur Verfügung. Das ist einerseits eine bewusste Größenordnung, um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten, andererseits sorgt die Begrenzung für eine hohe Konkurrenz um die begehrten Plätze. Die Bewerbungsphase ist bereits eröffnet. Laut Angaben des Ministeriums ist der Andrang groß. Offenbar besteht bei vielen Schülerinnen und Schülern der Wunsch, Fächer zu belegen, die in ihrer Schule nicht angeboten werden.
Das Online-Angebot zählt als Ergänzung der regulären Kurswahl. Das heißt, die Kurse sind Teil des Kursangebots für die gymnasiale Oberstufe und können entsprechend belegt und abgerechnet werden. Für die Schülerinnen und Schüler öffnet sich damit eine zusätzliche Option, ihr individuelles Profil zu schärfen.
Hoffmann: Kein Fernunterricht
Trotz der Digitalisierung grenzt sich Hoffmann klar von klassischem Fernunterricht ab. „Das ist nicht mit einem Fernunterricht zu verwechseln“, stellte er mit Blick auf den Lehrkräftemangel in Brandenburg klar. Es handle sich vielmehr um ein zusätzliches Angebot, das die traditionelle Schulstruktur entlasten soll. Der Unterricht wird von Lehrkräften des Landes betreut und läuft über die bereits etablierte Schulcloud.
Die Schulcloud ist in Brandenburg ein zentrales Werkzeug der Digitalisierung. Sie wird an vielen Schulen bereits für die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien, Hausaufgaben und Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern genutzt. Mit den neuen Kursen erweitert das Land die Nutzung der Plattform nun auf den Bereich der zentralen Kursangebote.
Hintergrund: Digitalisierung schreitet voran
Die Entscheidung für die Online-Kurse fällt in eine Zeit, in der digitale Lernformen bundesweit immer mehr Bedeutung gewinnen. Brandenburg setzt dabei auf einen pragmatischen Ansatz: Statt jedes Fach an jeder Schule vor Ort anbieten zu können, sollen spezielle Kurse zentral über das Internet vermittelt werden. Das entlastet die Schulen und gibt Schülerinnen und Schülern in der Fläche des Landes gleichere Chancen auf ein breites Fächerangebot.
Ob das Modell auch auf andere Fächer ausgeweitet wird, wird sich nach den Erfahrungen mit den neuen Kursen zeigen. Zunächst einmal geht es darum, das Interesse zu bedienen und die Qualität zu sichern.



