Das Gersthofer Gymnasium hat für das kommende Schuljahr deutlich mehr Anmeldungen erhalten, als es Plätze gibt. In der Folge wurden Schülerinnen und Schüler aus Augsburg abgelehnt, die ihren Wunschplatz an der beliebten Schule verfehlten. Das berichtet die Augsburger Allgemeine.
Landkreis-Schule mit eigener Aufnahmepflicht
Das Gymnasium in Gersthofen wird vom Landkreis Augsburg getragen. Daraus ergibt sich eine besondere rechtliche Situation: Das Landratsamt als Sachaufwandsträger hat die Pflicht, zunächst allen Kindern aus dem Landkreis einen Platz anzubieten. Erst wenn danach noch freie Kapazitäten bestehen, können Schülerinnen und Schüler aus der Stadt Augsburg aufgenommen werden. Im laufenden Aufnahmeverfahren ist genau dieser Fall eingetreten – die Warteliste ist so lang, dass keine Aufnahmen mehr möglich sind.
Nach Informationen der Zeitung erhalten die abgelehnten Familien ein Schreiben, in dem ihnen Alternativen in der näheren Umgebung vorgeschlagen werden. Allerdings haben auch andere Gymnasien in der Region mit hohen Bewerberzahlen zu kämpfen. Eine Aufnahme an einer Wunschschule ist damit nicht garantiert, selbst wenn die Noten und das Betragen der Kinder die Eignung für das Gymnasium bestätigen.
Schulplatznot wächst seit Jahren
Das Problem ist nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahren meldeten Schulen im Raum Augsburg überfüllte Klassen und lange Wartelisten. Hauptgründe sind steigende Geburtenraten, anhaltender Zuzug in die Stadt und das Umland sowie eine wachsende Nachfrage nach dem Bildungsweg Gymnasium. Auch die Zulassungszahlen an den weiterführenden Schulen wurden vielerorts angehoben, stoßen aber an bauliche und personelle Grenzen.
Besonders betroffen sind die Schulen, die in der Schullandschaft ein gutes Ansehen genießen oder die in einem räumlich ausgedehnten Einzugsgebiet liegen. Das Gersthofer Gymnasium gehört mit seiner modernen Ausstattung und den guten Verkehrsanbindungen zu diesen bevorzugten Schulen. Dass die Stadt Augsburg und der Landkreis Augsburg bei der Schulplanung bislang nicht genügend aufeinander abgestimmt sind, verschärft die Lage zusätzlich.
Was bedeutet die Ablehnung für die Familien?
Die betroffenen Eltern müssen nun binnen kurzer Frist eine Alternative wählen. In der Regel melden sie ihre Kinder an einer anderen Schule an, die noch freie Plätze hat. Oft ist das mit längeren Schulwegen oder einem Schulwechsel in einem bereits fortgeschrittenen Alter verbunden. Für die Kinder selbst bedeutet die Situation Stress und Ungewissheit – gerade in einer Phase, die ohnehin von Veränderungen geprägt ist.
Die Schulberatungsstellen melden eine Zunahme von Anfragen verunsicherter Eltern. Viele hoffen, über ein Nachrückverfahren doch noch einen Platz zu bekommen. Doch bei den meist geringen Aufnahmezahlen sind die Chancen gering. Eine verlässliche Planung für den Übertritt ist für die Familien kaum möglich.
Politik sucht Lösungen für kommende Schuljahre
Politikerinnen und Politiker aus Stadt und Landkreis haben das Thema erkannt. Gefordert werden ein gemeinsames Schulentwicklungsprogramm und ein transparenteres Anmeldeverfahren. Auch der Bau neuer Schulen oder die Erweiterung bestehender Standorte werden diskutiert – etwa eine dritte Zugklasse am Gersthofer Gymnasium oder ein weiteres Gymnasium im Osten der Stadt. Die Umsetzung solcher Maßnahmen dauert allerdings Jahre.
Bis dahin müssen die Schulen mit der angespannten Lage umgehen. Inwieweit in den kommenden Jahren noch Augsburger Kinder am Gersthofer Gymnasium aufgenommen werden können, hängt von der Entwicklung der Anmeldezahlen und der Verfügbarkeit von Räumen und Lehrkräften ab. Klar ist nur: Dass alle Wünsche erfüllt werden, wird auch künftig nicht möglich sein.



