Lehrer fordern Störsender gegen KI-Betrug bei Abiturprüfungen
In vielen Bundesländern laufen derzeit die Abiturprüfungen. Manche Schüler geraten in Versuchung, sich unerlaubt helfen zu lassen. Früher waren Spickzettel das Mittel der Wahl, heute droht Prüfungsbetrug mit moderner Online-Technik. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands, fordert daher den Einsatz von Störsendern, um den Datenverkehr während der Prüfungen zu blockieren und Schummeleien mit KI-Pins und anderen Tricks zu unterbinden.
In einem offenen Brief an Bayerns Kultusministerin Anna Stolz schreibt Fleischmann: „Wir fordern Sie auf, einfach umsetzbare technische Regelungen, beispielsweise zur Blockade des Datenverkehrs, zu finden, die nachhaltig KI-gestützten Unterschleif unterbinden!“ Alternativ seien auch Detektoren oder Sensoren denkbar, die feststellen, ob Datenverkehr stattfindet, so Fleischmann gegenüber BILD. Das Problem von KI-unterstützten Schummeleien bei der Abiturprüfung treibe die Lehrkräfte stark um.
Fleischmann räumt ein: „Es gibt wesentlich versiertere, schlauere Möglichkeiten, die wir gar nicht mehr schnallen.“ Auch das bayerische Kultusministerium ist sich der Bedrohung bewusst und hat eine umfangreiche Liste mit möglichen Betrugsmethoden an die Schulen verteilt.
Liste der Betrugsmethoden
- Smarte Brillen (Smart Glasses): Diese Brillen besitzen kleine Kameras, die Texte scannen und Lösungen auf das Glas projizieren können. Die Kosten liegen je nach Modell zwischen 350 und 900 Euro. Das Ministerium empfiehlt, darauf zu achten, ob Schüler normalerweise eine Brille tragen und ob Bügel oder Rahmen eine ungewöhnliche Form haben.
- Scan-Stifte: Sie erkennen mit einer kleinen Kamera an der Spitze Texte, wenn sie darüber geführt werden. Eine KI kann im Hintergrund Übersetzungen liefern. Zur Übermittlung werden versteckte Kopfhörer benötigt.
- Mini-Kopfhörer (Spy Earbuds): Diese wenige Millimeter großen Kopfhörer können in den Ohren versteckt werden und sind von außen praktisch unsichtbar.
- KI-Pins: Kleine Anstecknadeln mit Kamera und Mikrofonen, die derzeit noch ein Handy zur Bedienung benötigen.
Die Kontrolle all dieser Geräte überfordere die Lehrer, sagt Fleischmann. Ein Lehrer in einer Abiturprüfung könne bis zu 70 Schülern gegenüberstehen. „So ist es schlichtweg unmöglich, auf auffällige Augenbewegungen zu achten.“ Es sei auch nicht zumutbar, dass Lehrkräfte die Brustpartie von Schülerinnen in Augenschein nehmen, um beispielsweise KI-Pins zu entdecken.



