Lehrermangel: Referendare aus dem Landkreis Augsburg
Lehrermangel: Referendare aus dem Landkreis Augsburg

Die ersten Wochen als Lehrkraft sind ein Sprung ins kalte Wasser. Referendarinnen und Referendare im Landkreis Augsburg werden immer schneller mit eigenen Klassen betraut. Der Grund: Der Lehrermangel hinterlässt an vielen Schulen spürbare Lücken. Nach Angaben des Landratsamts sind derzeit rund 30 Stellen für Lehrkräfte unbesetzt – Tendenz steigend. Vor allem Grund- und Mittelschulen suchen händeringend Personal.

Um die Lücken zu schließen, setzen die Schulen auf die angehenden Lehrkräfte. Sie sind bereits im Vorbereitungsdienst, dem sogenannten Referendariat, und sollen eigentlich noch unter Anleitung unterrichten. Doch die Realität sieht oft anders aus: „Ich stehe seit Oktober alleine vor einer fünften Klasse“, erzählt eine Referendarin, die an einer Mittelschule im Landkreis arbeitet. „Meine Ausbilder betreuen mich, aber im Klassenzimmer bin ich auf mich allein gestellt.“

Herausforderungen im Schulalltag

Die Doppelbelastung ist enorm. Referendare müssen nicht nur unterrichten, sondern auch eigene Lehrproben vorbereiten, Seminare besuchen und Prüfungsunterlagen erstellen. „Die Vorbereitung für eine Unterrichtsstunde dauert bei mir am Anfang zwei bis drei Stunden“, berichtet ein Referendar an einer Realschule. „Dazu kommen Korrekturen, Elternabende und Konferenzen.“, so der 28-Jährige weiter.

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Besonders schwierig sei die Klassenführung. In manchen Klassen sitzen Kinder mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. „Manchmal fühle ich mich wie ein Feuerwehrmann, der ständig Löcher stopfen muss“, sagt die Referendarin. „Aber ich habe gelernt, dass Struktur und Ruhe am meisten helfen.“

Motivation durch Verantwortung

Trotz der Belastung würden die wenigsten den Beruf wieder aufgeben wollen. „Der Moment, wenn ein Kind plötzlich einen Satz fehlerfrei liest oder eine Rechenaufgabe löst, entschädigt für vieles“, so die 26-Jährige. Auch ihr Kollege sieht die Arbeit als Berufung: „Ich wollte schon immer Lehrer werden. Jetzt, wo ich die Verantwortung spüre, bin ich noch überzeugter von meinem Weg.“

Die Motivation schöpfen die Referendare auch aus dem Team. An vielen Schulen gibt es feste Ansprechpartner für die Nachwuchskräfte. Der Schulleiter einer Grundschule im Landkreis bestätigt: „Wir haben ein Patenmodell eingeführt. Jeder Referendar hat einen erfahrenen Kollegen an der Seite, der bei Fragen hilft und Feedback gibt.“ Das sei ein wichtiger Baustein, um die jungen Lehrkräfte nicht zu verlieren.

Unterstützung vom Kollegium

Auch die Lehrerkollegien nehmen die Referendare zunehmend als vollwertige Kollegen wahr. „Ohne die Referendare könnten wir einige Klassen nicht mehr regulär unterrichten“, sagt eine Konrektorin. Sie wünscht sich aber eine bessere finanzielle Anerkennung: „Die jungen Leute leisten überdurchschnittlich viel und werden nur als Anwärter bezahlt.“

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert deshalb, die Anwärterbesoldung anzuheben und Referendare nicht als Lückenbüßer einzusetzen. „Wer im Referendariat bereits vollwertig unterrichtet, muss auch entsprechend entlohnt werden“, sagt ein Sprecher des Verbands. Langfristig müsse der Lehrermangel strukturell bekämpft werden, etwa durch mehr Studienplätze und bessere Arbeitsbedingungen.

Blick in die Zukunft

Bis gebesserte Bedingungen greifen, werden die Referendare im Landkreis Augsburg weiterhin gebraucht. Für die Betroffenen ist es ein Balanceakt zwischen Lernen und Lehren. „Ich bin oft müde, aber ich würde es wieder tun“, sagt die Referendarin. „Irgendwann bin ich fertig ausgebildet – und dann habe ich einen Traumberuf.“

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