Lehrkräftemangel im Osten: Jede fünfte Schule kann keine Noten vergeben
Lehrkräftemangel im Osten: Jede fünfte Schule ohne Noten

Der Lehrkräftemangel und der damit verbundene Unterrichtsausfall treffen Schulen in ostdeutschen Bundesländern deutlich stärker als im Westen. Besonders dramatisch ist die Lage in Sachsen-Anhalt: Auf den Halbjahreszeugnissen fehlten aktuell fast 28.000 Noten, weil so viele Unterrichtsstunden ausgefallen sind. Jede vierte Lehrkraft ist dort bereits über 60 Jahre alt. Da immer weniger Pädagoginnen und Pädagogen ausgebildet werden, ist Brandenburg gezwungen, fast jede zweite neu eingestellte Lehrkraft als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger zu beschäftigen.

Schulalltag unter Druck: Lehrer berichten von Überlastung

Wie sich diese Krise im Schulalltag widerspiegelt, schildert Lehrer Tristan Härter. Er hat acht Jahre in Thüringen unterrichtet und erlebt, wie der Lehrkräftemangel die Situation an Schulen zusätzlich verschärft – gerade dort, wo ohnehin viel Druck herrscht. „Die Belastung ist enorm. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Limit, und die Schülerinnen und Schüler leiden unter den ständigen Ausfällen“, berichtet Härter. Die fehlenden Noten sind nur ein Symptom eines tieferliegenden Problems: Der Unterricht fällt aus, Vertretungen sind oft nicht qualifiziert, und die verbliebenen Lehrkräfte müssen immer mehr Aufgaben schultern.

Landtagswahlen im Herbst: Bildung wird zum Politikum

Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst wird die Bildungskrise zur zentralen politischen Frage. Denn Bildung ist Ländersache, und die regierenden Parteien entscheiden darüber, wie es an den Schulen weitergeht. In den Umfragen liegt die AfD deutlich vorn. Der Verfassungsschutz bezeichnet die Partei als die größte Bedrohung für die Demokratie im Land. In einigen Orten Ostdeutschlands ist sie jedoch die einzige politische Kraft, die vor Ort präsent ist.

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Podcast „Im Osten“ analysiert die Lage

Der neue Tagesspiegel-Podcast „Im Osten – wo Deutschland sich entscheidet“ beleuchtet diese Entwicklung. Die Hosts Sabine Schicketanz und Robert Ide gehen der Frage nach, wie es so weit kommen konnte, ob die demokratische Mitte gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus standhält und was diese Entwicklung für die Zukunft ganz Deutschlands bedeutet. Jede Woche erscheint eine neue Folge, die aktuelle politische Themen mit Stimmen aus der Region analysiert.

Zahlen und Fakten zur Bildungskrise im Osten

Die Statistik spricht eine klare Sprache: In Sachsen-Anhalt fehlen auf den Halbjahreszeugnissen fast 28.000 Noten. Jede vierte Lehrkraft ist über 60 Jahre alt, was in den kommenden Jahren zu einer weiteren Verschärfung des Mangels führen wird. In Brandenburg wird fast jede zweite neu eingestellte Lehrkraft als Quereinsteiger beschäftigt, da die Ausbildungskapazitäten nicht ausreichen. Diese Zahlen zeigen, wie tief die Krise in den ostdeutschen Bundesländern bereits verwurzelt ist.

Auswirkungen auf Schüler und Gesellschaft

Der Unterrichtsausfall und der Mangel an qualifizierten Lehrkräften haben weitreichende Folgen. Schülerinnen und Schüler erhalten nicht die Bildung, die sie benötigen, und die Chancengleichheit leidet. Besonders betroffen sind ohnehin benachteiligte Regionen, in denen der Druck auf die Schulen besonders hoch ist. Die Politik ist gefordert, langfristige Lösungen zu finden, um den Lehrkräftemangel zu bekämpfen und die Qualität der Bildung zu sichern.

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