Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat einen Gesetzentwurf für ein neues Kita-Gesetz vorgelegt, das die Sprachkompetenz von Kindern vor der Einschulung verbessern soll. Hintergrund ist, dass nach Daten aus verschiedenen Bundesländern bis zu einem Drittel der Kinder kurz vor der Einschulung nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügt, um dem Unterricht folgen zu können. Das betrifft sowohl Kinder aus Zuwandererfamilien als auch muttersprachliche Kinder.
Geplante Maßnahmen und Finanzierung
Der Entwurf des „Kita-Startchancen-und-Qualitäts-Entwicklungsgesetzes“ sieht verbindliche Sprachtests für alle Vierjährigen sowie gezielte Fördermaßnahmen nach einheitlichen Standards vor. Der Bund will bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro bereitstellen, um unter anderem mehr Zeit für intensivere Betreuung zu finanzieren. Konkret sind 30 Minuten pro Woche je Kind für die Planung und Begleitung der Sprachförderung vorgesehen. In Kitas mit besonders vielen Kindern in schwierigen Lebenslagen sollen zusätzlich 20 bis 60 Stunden pro Woche je nach Einrichtungsgröße investiert werden.
Ungleiche Startchancen und Länderunterschiede
Prien betonte die extrem unterschiedlichen Startchancen für Kinder in Deutschland. „Die Bildungsschere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung, und dann wird sie nur noch unwesentlich geschlossen“, sagte die Ministerin. Der nationale Bildungsbericht zeigt, dass nur in der Hälfte der Bundesländer landesweit einheitliche standardisierte Beobachtungsverfahren eingesetzt werden. Auch Schuleingangsuntersuchungen seien nicht einheitlich, die Ergebnisse kaum vergleichbar.
Waltraud Weegmann vom Deutschen Kitaverband wies auf einen weiteren Knackpunkt hin: „Wenn alle Kinder mit hervorragenden Deutschkenntnissen in die Schule kommen sollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie vorher möglichst früh mit der Kita starten.“ Sie betonte, dass Kinder mit sprachlichen Defiziten oft viel zu spät in die Kita kämen, etwa weil sie keinen Platz bekämen oder die Kosten zu hoch seien. Seit 2013 gibt es zwar einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag, doch die Umsetzung hapere.
Sprachförderung im Kita-Alltag
Weegmann erklärte, dass Kinder Sprache im normalen Tagesablauf in der Kita lernten und Erzieher dafür ausgebildet seien. Meist sei keine besondere Sprachförderung nötig, nur wenige Kinder hätten spezielle Probleme wie Sprachfehler oder Hörprobleme. Henrik, ein Erzieher im Berliner Fröbel-Kindergarten Seeburger Straße, beobachtet die Kinder systematisch im Alltag, um ihren Sprachstand zu erfassen. „Meine Erfahrung zeigt eigentlich, dass die Kinder verstehen wollen und verstanden werden wollen. Das ist ein unheimlich starker Motor“, sagte er. In den Fröbel-Kitas wird das Beobachtungstool BaSiK genutzt, bei dem jedes Kind um seinen Geburtstag herum in Alltagssituationen beobachtet wird. Die Ergebnisse werden in ein Computerprogramm eingegeben, um Fortschritte oder Förderbedarf zu erkennen.
Herausforderungen und Ausblick
Weegmann befürchtet, dass Sparzwänge aufgrund sinkender Geburtenzahlen den Ausbau der Qualität gefährden könnten. „Wir sagen stattdessen: Wir müssen jetzt in die Qualität der Kitas investieren und dabei alle Kinder mitnehmen“, forderte sie. Prien sieht das neue Gesetz als „das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition – und Schlüssel für eine Trendwende in der Bildungspolitik“. Ihr Ziel: „So stärken wir den Übergang in die Schule und die gesamte Bildungskette von Anfang an.“



