Nach dem Angriff auf ein Jugendamt in Finsterwalde (Brandenburg) wächst die Sorge um die Sicherheit von Behördenmitarbeitern. Ein 35-jähriger Deutscher soll am Montag eine Mitarbeiterin bedroht und in ihrem Büro Feuer gelegt haben. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Tötungsdelikts. Der Vorfall hat eine bundesweite Debatte über die Gefährdung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst ausgelöst.
Zunehmende Aggressionen gegen Beschäftigte
Die Gewerkschaft Verdi beklagt seit Jahren steigende Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst, bei Rettungsdiensten, in Krankenhäusern und im Nahverkehr. „Die Übergriffe nehmen zu“, sagte ein Verdi-Sprecher. Dies zeigten nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern auch einschlägige Studien. Verdi fordert verbesserte Schutzkonzepte, wirksame Prävention und eine ausreichende Personalausstattung. „Leider ist eine nachhaltige Besserung bislang nicht in Sicht“, so der Sprecher.
CDU fordert Überprüfung der Sicherheitskonzepte
Die CDU Brandenburg hält eine kritische Überprüfung und Anpassung der Sicherheitskonzepte für öffentliche Verwaltungen und Behörden für notwendig. „Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen ihrer Arbeit nachgehen können, ohne Angst vor Gewalt oder Einschüchterung haben zu müssen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk (CDU), berät angesichts wachsender Aggressionen über den Einsatz von Wachschutz. „Wir müssen uns neu überlegen, wie wir die Mitarbeiter schützen. Es ist erschreckend“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Interne Schutzmaßnahmen und Hausverbote
In ihrer Verwaltung können Jugendamtsmitarbeiter in brenzligen Situationen über Nottasten am Telefon einen stillen Alarm auslösen, um Kollegen zu Hilfe zu rufen. Wie oft dies vorkommt, konnte Dörk nicht sagen. Sie berichtet von einer drastischen Zunahme verbaler Übergriffe, insbesondere im Jugendamt mit seinen oft emotionalen Fällen, aber auch im Jobcenter, im sozialpsychiatrischen Dienst und bei Amtstierärzten. Sie erteilt mehr Hausverbote und erstattet Anzeigen, nannte jedoch keine konkreten Zahlen.
Psychische Belastung der Mitarbeiter
Die jüngsten Angriffe belasten auch die Beschäftigten in der Uckermark psychisch, so Dörk. Die CDU-Politikerin ist Präsidentin des Landkreistages Brandenburg und will den Austausch über Sicherheitsfragen im kommunalen Spitzenverband vorantreiben. Die Ermittlungen zum Motiv des Angreifers in Finsterwalde dauern an.



