Verbeamtete Lehrkräfte in Thüringen haben einen deutlichen finanziellen Vorteil gegenüber ihren angestellten Kollegen. Das zeigen Berechnungen, die der SPIEGEL mit einem interaktiven Rechner veranschaulicht. Je nach Besoldungsgruppe, Steuerklasse und Familienstand kann der Nettounterschied mehrere Hundert Euro pro Monat betragen.
Die größten Netto-Unterschiede bei höheren Besoldungsgruppen
Besonders groß ist die Differenz bei höheren Besoldungsgruppen. Ein verbeamteter Lehrer der Besoldungsgruppe A13 mit zwei Kindern und Steuerklasse III verdient netto rund 700 Euro mehr im Monat als ein angestellter Lehrer mit gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Bei Alleinstehenden in Steuerklasse I beträgt der Vorteil immer noch etwa 400 Euro.
Grund für die Unterschiede sind neben der geringeren Steuerlast auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Beamte zahlen nur die private Krankenversicherung, während Angestellte die höheren Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Krankenversicherung tragen müssen. Zudem entfällt bei Beamten der Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung, was jedoch durch die geringere Altersversorgung ausgeglichen wird.
Der interaktive Rechner zeigt die konkreten Zahlen
Der SPIEGEL-Rechner ermöglicht es, die Nettoverdienste für verschiedene Besoldungs- und Entgeltgruppen in Thüringen zu vergleichen. Nutzer können ihre individuelle Situation – Steuerklasse, Kinderfreibeträge und Kirchensteuer – einstellen und sehen sofort, wie viel mehr ein verbeamteter Lehrer netto erhält. Die Berechnungen basieren auf den aktuellen Tabellen für 2026.
„Die Verbeamtung ist für Lehrkräfte ein erheblicher finanzieller Anreiz“, sagt Armin Himmelrath, Bildungsredakteur beim SPIEGEL. „Gerade in Zeiten des Lehrermangels kann dies ein entscheidender Faktor sein, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.“
Thüringen als Beispiel für bundesweite Unterschiede
Die Berechnungen für Thüringen zeigen exemplarisch, wie groß die Schere zwischen Beamten und Angestellten im Schuldienst sein kann. In anderen Bundesländern fallen die Unterschiede ähnlich aus, variieren aber je nach Besoldungshöhe und Sozialabgaben. In Thüringen liegt die Besoldung im unteren Mittelfeld, sodass die absoluten Beträge geringer sind als in wohlhabenderen Ländern wie Bayern oder Hessen.
Der Rechner berücksichtigt auch die Sonderzahlungen wie das sogenannte „Weihnachtsgeld“ für Angestellte, das bei Beamten in Form einer jährlichen Sonderzahlung ebenfalls existiert. Trotz dieser Zusatzleistungen bleibt der Netto-Vorteil der Beamten deutlich.
Kritik an der Zweiklassengesellschaft im Lehrerberuf
Gewerkschaften wie die GEW kritisieren die Ungleichbehandlung seit Jahren. „Die Verbeamtung führt zu einer Zweiklassengesellschaft im Lehrerberuf“, sagt ein Sprecher der GEW Thüringen. „Angestellte Lehrer leisten die gleiche Arbeit, erhalten aber weniger Netto vom Brutto. Das ist ungerecht und demotivierend.“ Die GEW fordert daher eine Angleichung der Arbeitsbedingungen und eine Abschaffung der Verbeamtung für neue Lehrkräfte, um die Unterschiede zu beseitigen.
Die Landesregierung Thüringen hält hingegen an der Verbeamtung fest. „Die Verbeamtung ist ein bewährtes Instrument, um qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen und langfristig an das Land zu binden“, erklärte das Bildungsministerium auf Anfrage. Man wolle die Attraktivität des Lehrerberufs weiter steigern, unter anderem durch verbesserte Aufstiegschancen und Fortbildungsmöglichkeiten.



