RE1-Chaos: Osten fühlt sich abgehängt – Vollsperrung 2029 droht
RE1-Chaos: Osten fühlt sich abgehängt – Vollsperrung 2029

Der Regionalexpress 1 (RE1), die Hauptschlagader des Nahverkehrs in Brandenburg, steckt in einer tiefen Krise. Wer derzeit von Berlin nach Frankfurt (Oder) reist, ist doppelt so lange unterwegs wie üblich: Statt einer Stunde dauert die Fahrt oft zwei Stunden. Grund sind Bauarbeiten auf der Berliner Stadtbahn und weitere Baumaßnahmen rund um Erkner, die zu massiven Zugausfällen und Ersatzverkehren führen. Der Verkehrsverbund Berlin hatte 2022 einen 20-Minuten-Takt versprochen, doch die Realität sieht anders aus.

Bauarbeiten legen RE1 lahm

Zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof findet derzeit kein Zugverkehr statt. Reisende werden auf die Regionalbahn 36 (RB36) umgeleitet, die auf einer eingleisigen Nebenbahn von Frankfurt über Beeskow und Storkow nach Königs Wusterhausen führt. Statt einer Stunde zum Berliner Ostkreuz sind es auf dieser Strecke gut zwei Stunden. Die DB Navigator-App verweist Pendler auf diese Alternative, die als „Eisenbahnromantik pur“ beschrieben wird, aber für den Alltag unzumutbar ist.

In den nächsten Wochen kommen weitere Baumaßnahmen hinzu, die die Situation verschärfen. Die Städte Frankfurt (Oder), Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt sowie der Landkreis Oder-Spree und zahlreiche Institutionen und Wirtschaftsunternehmen der Region warnten in einer gemeinsamen Erklärung vor den Folgen. „Die Bauarbeiten dürfen nicht über Monate die Hauptstadtregion, Ostbrandenburg und die polnische Nachbarregion voneinander trennen“, heißt es darin. Eine sich über Monate hinziehende Vollsperrung hätte täglich unzumutbare Belastungen für zehntausende Berufspendler, Studierende und Schüler zur Folge und gefährde die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

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Vollsperrung 2029 droht weiterhin

Für 2029 ist eine grundhafte Sanierung der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) geplant. Trotz Signalen der DB Infra Go im Verkehrsausschuss des Brandenburger Landtags, eine Vollsperrung zu vermeiden, zeigt eine Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium an die Bundestagsabgeordneten Christian Görke und Isabelle Vandré (beide Linke) ein anderes Bild. Eine Vollsperrung 2029 wird darin nicht ausgeschlossen. „Die genaue Baustellenreihung, die Wahl der Sperrart (Vollsperrung oder eingleisige Sperrung) und Dauer der Sperrungen sind Gegenstand der laufenden Abstimmungen“, heißt es dort. „Nach Angaben der DB AG können bestimmte Arbeiten aus technischen Gründen oder aufgrund arbeitsschutzrechtlicher Anforderungen nicht unter eingleisiger Betriebsführung durchgeführt werden.“ Dazu zählen Arbeiten an Weichenverbindungen sowie der Leit- und Sicherungstechnik.

Görke nannte die Antworten „ernüchternd“. „Der RE1 ist die wichtigste Schienenverbindung Ostbrandenburgs“, sagte er. „Wer eine monatelange Sperrung plant, muss längst erklären können, wie die Menschen trotzdem zuverlässig zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität kommen. Stattdessen herrscht Planungschaos. Erst wird eine der wichtigsten und meistfrequentierten Bahnstrecken Ostdeutschlands monatelang eingeschränkt und anschließend erklärt die Bundesregierung, sie wisse noch gar nicht, welche Folgen das haben werde. Verantwortungsvolle Verkehrspolitik sieht anders aus.“

Ausweichstrecken überlastet

Theoretisch stehen mit der RB36 über Beeskow und der Ostbahn nach Küstrin zwei Ausweichstrecken zur Verfügung. Doch beide sind in schlechtem Zustand und ausgelastet. Eine Taktverdichtung der RB36 ist ebenso wenig möglich wie Umleiterzüge über die Ostbahn, wie die Bundesregierung mitteilt. Ein Ausbau der Ostbahn und eine Hochstufung in den dringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans könnten helfen, doch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und frühere Brandenburger Verkehrsminister haben sich vergeblich dafür eingesetzt. Auch auf der Ostbahn selbst ist der Verkehr durch Weichenstörungen und fehlende Triebwagen von Chaos geprägt.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin aus der Region mahnte „sofortiges Handeln“ an. „Ein weiteres Aussitzen der Situation von allen Beteiligten ist nicht mehr zumutbar.“ Der Osten Brandenburgs fühle sich abgehängt. Die wirtschaftliche Entwicklung Ostbrandenburgs sowie die Lebensqualität von zehntausenden Pendlern hängen von einer zuverlässigen Schienenverbindung ab – doch die scheint in weite Ferne gerückt.

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