Die Stadt Bad Wörishofen treibt den Abriss einer Turnhalle voran. Diese Entscheidung sorgt in der Kurstadt für erhebliche Irritationen. Zwei Punkte stehen dabei im Mittelpunkt: ein Rücktritt aus einem städtischen Gremium und ein Vertrag, den die Stadt mit einem Sportverein geschlossen hat.
Ein Rücktritt mit Signalwirkung
Ein Mitglied eines städtischen Beratungsgremiums hat sein Amt niedergelegt. Der Rücktritt ist nach übereinstimmenden Informationen aus dem Rathaus als Protest gegen die Art und Weise zu verstehen, wie die Stadtverwaltung die Abrisspläne betreibt. Das zurückgetretene Mitglied galt als engagierter Befürworter des Erhalts von Sportstätten. In der jüngsten Sitzung, in der über die Zukunft der Turnhalle beraten wurde, soll der Rücktritt unmittelbar nach dem Votum erklärt worden sein. Kollegen in dem Gremium zeigten sich überrascht und bedauern den Schritt.
Vertrag mit der Stadt: Ungeklärte Rechtslage
Der eigentliche Zündstoff liegt jedoch in einem Vertrag, den die Stadt vor Jahren mit einem ortsansässigen Sportverein geschlossen hat. Dieses Papier enthält offenbar langfristige Nutzungsrechte an der Turnhalle. Ein Abriss würde diese Rechte gegenstandslos machen, womit sich der Verein konfrontiert sieht. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, den Vertrag rechtlich prüfen zu lassen. Noch sei unklar, ob der Abriss durch die bestehenden Verpflichtungen überhaupt zulässig ist. Eine Sprecherin der Stadt sagte, man sei im Gespräch mit dem Verein und wolle eine einvernehmliche Lösung finden.
Sportstätten als wichtiges Gut in der Kurstadt
Bad Wörishofen ist mit rund 16.000 Einwohnern eine Stadt, in der der Breitensport einen hohen Stellenwert genießt. Turnhallen sind nicht nur für den Schulsport unverzichtbar, sondern auch für zahlreiche Vereine, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Ein Abriss ohne nahtlosen Ersatz würde den Trainingsbetrieb erheblich beeinträchtigen. Mehrere Vereine haben sich bereits zu Wort gemeldet und fordern eine klare Zusage für alternative Flächen. Auch die Tourismusbranche verfolgt die Entwicklung aufmerksam, da die Stadt als Kneippkurort auch für ihre Sportangebote bekannt ist.
Politische Debatte nimmt Fahrt auf
Im Stadtrat von Bad Wörishofen ist die Stimmung gespalten. Während einige Fraktionen den Abriss als wirtschaftlich sinnvoll erachten und auf einen modernen Neubau hoffen, verweisen andere auf die rechtlichen Risiken und das schwindende Vertrauen in die Stadtspitze. Die Oppositionsfraktion hat eine Sondersitzung des Stadtrats beantragt, auf der die Vertragsfrage und die perspektivische Sportentwicklung beraten werden sollen. Bislang wurde der Antrag nicht behandelt. In der Bevölkerung wächst derweil der Unmut. Eine Online-Petition gegen den Abriss hat nach Angaben der Organisatoren bereits mehrere hundert Unterschriften gesammelt.
Transparenz und Dialog gefordert
Der Fall zeigt, wie wichtig eine transparente Kommunikation bei städtischen Bauvorhaben ist. Die Irritationen wären vermutlich geringer, wenn die Stadt frühzeitig über ihre Pläne und die vertraglichen Verpflichtungen informiert hätte. Nun muss es darum gehen, das Vertrauen wiederherzustellen. Eine offene Debatte im Stadtrat und ein konstruktives Gespräch mit dem betroffenen Verein sind unabdingbar. Die Stadtverwaltung hat zugesagt, alle Unterlagen offenzulegen und den Prozess zu erklären. Ob der Abriss am Ende so kommt oder ob es eine Wende gibt, wird sich in den kommenden Sitzungen zeigen. Bis dahin bleibt die Situation angespannt – in Bad Wörishofen und im gesamten Landkreis Unterallgäu.



