Unimedizin Mainz: Klinikchef drängt auf Entscheidung über zweiten Standort
Unimedizin-Chef drängt bei Standortfrage zur Eile

Der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Ralf Kiesslich, drängt auf eine zügige Entscheidung über die Zukunft der einzigen Universitätsklinik in Rheinland-Pfalz. „Wir wären sehr dankbar, wenn wir mit der Stadt nun in die Diskussion einsteigen könnten“, sagte Kiesslich der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Wir geben gerne all unseren Input, damit wir zu einer Bewertung kommen, die möglichst von vielen getragen wird.“

Sanierung oder Neubau an zweitem Standort?

Im Kern geht es um die Frage, ob die in Teilen sanierungsbedürftige Universitätsmedizin in den kommenden Jahren komplett am bisherigen Standort in der Mainzer Oberstadt erneuert wird oder ob an einem neuen, zweiten Standort ein neues Zentralgebäude als Herzstück der stationären Versorgung entstehen soll. Der laufende Klinikbetrieb müsste während der Bauphase aufrechterhalten werden.

„Es ist ein großes Thema, das die Universitätsmedizin schon lange bewegt“, betonte Kiesslich. „Und es wird immer dringender.“ Vertiefende Gutachten hätten ergeben, dass ein Neubau am jetzigen Standort bis 2055 dauern würde – deutlich länger als ein Neubau an einem zweiten Standort.

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Wirtschaftliche und funktionale Vorteile eines zweiten Standorts

Kiesslich zufolge sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine Sanierung des einen Standorts unvernünftig sei. „Es wäre betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, weil es deutlich teurer wäre. Es wäre funktional nicht besonders günstig, weil die Patientenversorgung während dieser Bauphase nicht mehr so gut gewährleistet wäre. Und das Dritte, was neu dazugekommen ist, sind resiliente Klinikstrukturen, die man zunehmend braucht und die am Innenstadt-Campus nicht darstellbar sind.“

Der Klinikmanager erklärte: „Den Kern der Unimedizin würden wir gerne auf eine andere Fläche bauen. Das geht nur mit der Stadt.“ Den Koalitionsvertrag der neuen schwarz-roten Landesregierung empfindet er als sehr unterstützend. Darin hätten sich beide großen Parteien für eine Zwei-Standort-Lösung ausgesprochen.

Stadt Mainz bereitet Prüfverfahren vor

Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) hatte Anfang Mai angekündigt, dass in den kommenden Monaten von städtischer Seite wichtige Weichen gestellt werden sollten. Es gehe zunächst darum, in den städtischen Gremien die Eckdaten für ein Gutachten festzulegen, das Vor- und Nachteile eines möglichen neuen, zweiten Standorts aufzeigen soll.

Eine solche Bewertungsmatrix sei inzwischen von den Ämtern vorbereitet, heißt es nun von der Stadt. Gleichzeitig sei die Unimedizin gebeten worden, wichtige Parameter wie die Größe benötigter Flächen, Anbindungen oder das nötige Gebäudevolumen zu bestätigen. „Auf Basis der Rückmeldung wird die Bewertungsmatrix finalisiert“, teilte ein Stadtsprecher mit. Vorgesehen sei dann bei Zustimmung der Gremien erst eine Vorprüfung und in einem zweiten Schritt eine Detailprüfung. „Aufgrund der Dimension und der Bedeutung des Vorhabens ist ein mehrstufiges, komplexes Prüfverfahren geboten“, betonte die Stadt. Wie lange das Prüfverfahren insgesamt dauere, sei derzeit nicht zu sagen.

Möglicher Standort am Stadtrand

Im Gespräch für einen zweiten Standort ist ein Gelände am Stadtrand in der Nähe des ZDF. Dies wird teils kritisch gesehen, da unter anderem Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr für Mainz befürchtet werden. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft der Universitätsmedizin Mainz bleibt somit abzuwarten.

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