Ein Jahrhundertleben krönt die Konfirmation
Walter Fahle, 1926 als Säugling getauft, lässt sich nun im Alter von 100 Jahren konfirmieren. „Die Pastorin hat gesagt, dass das nicht so weitergehe“, erzählt der Berliner mit einem Schmunzeln. In seiner Wohnung im Ortsteil Nikolassee kommt er zwar nur mit Rollator zurecht, doch geistig ist der weißhaarige Mann im beigefarbenen Shirt erstaunlich rege. „Es ist ein großes Glück, dass mein Kopf noch klar ist“, sagt er. „Da bin ich sehr demütig.“
Warum die Konfirmation so spät erfolgt
Als Jugendlicher verhinderte der Zweite Weltkrieg den Konfirmationsunterricht. Fahle musste mit 16 Jahren zur Wehrmacht einberufen werden. Später, im Berufsleben und als Familienvater, fand er nie die Zeit, das Versäumte nachzuholen. Erst im hohen Alter reifte der Wunsch, das Sakrament zu empfangen. „Ich wollte einfach meinen Glauben bekennen und die Segnung erhalten“, erklärt er.
Eine besondere Zeremonie in der Gemeinde
Die Konfirmation findet in der evangelischen Kirchengemeinde Nikolassee statt. Pastorin Annette Scholl wird den Segen sprechen. „Es ist eine große Freude, dass Herr Fahle sich nach so vielen Jahren dazu entschlossen hat“, sagt sie. Die Gemeinde bereitet eine kleine Feier vor, bei der auch Fahles Enkel und Urenkel dabei sein werden.
Die Rille auf dem Kopf – eine Kriegsverletzung
Auf die Frage nach der auffälligen Rille auf seinem Kopf antwortet Fahle: „Das ist eine Narbe von einem Granatsplitter. Ich hatte Glück, dass es nur die Kopfhaut traf.“ Die Verletzung zog er sich 1945 in den letzten Kriegstagen zu. „Viele Kameraden haben ihr Leben verloren. Ich bin dankbar, dass ich überlebt habe.“
Ein Leben voller Erinnerungen
Walter Fahle blickt auf ein bewegtes Jahrhundert zurück: Geboren in Berlin, erlebte er die Weimarer Republik, die NS-Zeit, den Wiederaufbau und die Wiedervereinigung. Beruflich war er im öffentlichen Dienst tätig. „Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, aber immer meinen Glauben behalten“, resümiert er. Die Konfirmation sieht er als krönenden Abschluss seines Lebenswegs.
Gemeinde und Familie feiern mit
Die Feierlichkeit ist für den kommenden Sonntag geplant. Neben der Familie werden auch viele Gemeindemitglieder erwartet. „Es ist ein Zeichen, dass der Glaube kein Alter kennt“, so Pastorin Scholl. Fahle selbst freut sich auf den Tag: „Ich bin gespannt, wie es sein wird. Aber ich weiß, dass es richtig ist.“



