Allkauf-Erbe verzichtet auf Millionen: Spenden für Demokratie
Allkauf-Erbe verzichtet auf Millionen für Demokratie

Kai Viehof, Enkel des Allkauf-Gründers, hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt: Er lehnte sein Erbe ab und gibt den Großteil seines Vermögens für gesellschaftliche Zwecke aus. Statt den Familienreichtum zu mehren, konzentriert sich der 44-Jährige darauf, Geld sinnvoll zu spenden – vor allem für die Stärkung der Demokratie.

Der ungewöhnliche Erbe

Viehofs Großvater baute in den 1960er-Jahren die Handelskette Allkauf auf, die 1998 für rund eine Milliarde Mark an die Metro AG verkauft wurde. Das Geld floss in die Familie. Doch als Kai Viehof an der Reihe war, seinen Anteil zu erhalten, lehnte er ab. Schon als Jugendlicher hatte er beschlossen, sein Erbe zu spenden. Sein Vater schenkte ihm früh einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Das eigentliche Erbe – einen bis zu dreistelligen Millionenbetrag – schlug der Sohn aus. „Das ist für mich keine Neiddebatte“, sagte Viehof im Handelsblatt-Interview. „Das ist für mich eine zentrale Debatte, der sich auch die stellen müssen, die im System gewonnen haben.“

Warum er auf Millionen verzichtet

Viehof, der eigentlich Steuerberater lernte, arbeitet kaum noch in diesem Beruf. Stattdessen widmet er sich dem Verteilungs seiner Mittel. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung stammen mehr als die Hälfte der privaten Vermögen in Deutschland nicht aus eigener Arbeit, sondern aus Erbschaften oder Schenkungen. Zudem besitzen die USA und China laut Global Wealth Report 2025 der Boston Consulting Group mehr Superreiche als Deutschland – also Menschen mit einem Vermögen von über 100 Millionen Dollar. Diese Gruppe hält 27 Prozent des Finanzvermögens in der Bundesrepublik.

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Spenden für die Demokratie

Von seinem verbleibenden Vermögen will Viehof sieben Achtel spenden oder in Unternehmen investieren, die gesellschaftliche Rendite versprechen. Ein Achtel behält er für sich und seine Familie als Sicherheitspuffer. Schwerpunkt seiner Philanthropie ist die Demokratieförderung. „Ohne Demokratie kann man alle weiteren Themen, auch den Klimawandel, vergessen“, sagt er. Unter anderem unterstützt er Hate Aid (gegen Hass im Netz), Correctiv (recherchierte unter anderem zur AfD), Brand New Bundestag (Förderung progressiver Politiker) und die Bürgerbewegung Finanzwende. Die Organisation Hate Aid erhält über fünf Jahre jeweils einen sechsstelligen Betrag. Auch den Verein „Fair Share of Women Leaders“ fördert er – laut Co-Geschäftsführerin Helene Wolf macht seine Spende bis zu zehn Prozent des Jahresbudgets aus: „Es gibt zu wenige Männer, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Kai zeigt mit seinem Engagement, wie auch sie aktiv werden können.“

Investitionen mit Wirkung

Viehof investiert auch in Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert, etwa das Tampon-Start-up Vyld (Darlehen von 750.000 Euro) oder das Porridge-Start-up Haferkater, dem er half, ins Verantwortungseigentum zu wechseln. Die Rückflüsse sind gedeckelt, da Geld, das aus dem Unternehmen genommen wird, dem Impact entzogen sei. „Das ist Risikokapital, das ich gedanklich schon abgeschrieben habe“, sagt Viehof. Er stückelt Spenden über mehrere Jahre, um Organisationen langfristige Planung zu ermöglichen. Manchmal muss er Projekte auch beenden – eine schwierige Entscheidung, wie er einräumt.

Herausforderungen des Gebens

Felix Oldenburg, Chef des Stiftungs-Start-ups Bcause, sagt: „Sich sichtbar zu engagieren, ist für diese Erben eine Lose-lose-Situation.“ Sie würden sowohl von denen kritisiert, die mehr Spenden fordern, als auch von jenen, die zu viel Spendende ablehnen. Viehof hat etwa drei Achtel seines Vermögens bereits verteilt. Wenn alles weg ist, will er sich stärker für Verteilungsgerechtigkeit engagieren. Sein Verhältnis zum Vater hat sich gebessert – sogar dieser denke inzwischen progressiver über das Thema. Viehof ist es gelungen, keine Geschäftspartner zu werden, sondern fast Verbündete.

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