Am Sonntagabend eskalierte eine zuvor friedliche Demonstration gegen Massentourismus in Palma de Mallorca. Die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ („Weniger Tourismus, mehr Leben“) hatte unter dem Motto „Mallorca am Limit“ zum dritten Mal in Folge zum Protest aufgerufen. Die Organisatoren rechneten mit 40.000 Teilnehmern, die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten am Mittag auf rund 25.000.
Friedlicher Beginn, eskalierender Abend
Die Teilnehmer zogen durch die Straßen Palmas, viele trugen selbstgebastelte Plakate mit Aufschriften wie „Mallorca overbooked“ oder „Keine Kapazität mehr“. Der Protest war bewusst in die Hauptreisezeit gelegt worden, denn Ende Juli und Anfang August gelten als die Wochen mit den meisten Urlaubern auf der Baleareninsel. Am Abend versammelten sich die Demonstranten zunächst auf der Plaza de España, um dann zur Kathedrale zu ziehen, wo ein Manifest verlesen werden sollte. Doch dann kippte die Stimmung.
Polizei schreitet mit Schlagstöcken ein
Videos, die im Internet kursieren, zeigen, wie Beamte mit Schlagstöcken vereinzelte Personen auseinandertreiben. Auf den Aufnahmen sind Sprechchöre der Demonstranten zu hören, die „Mallorca, Mallorca“ rufen. Ebenso sind dumpfe Knalle vernehmbar, deren Ursache unklar bleibt. Polizisten werden als „Hurensöhne“ beschimpft. Laut Medienberichten wurden acht Menschen verletzt, eine Person wurde festgenommen. Ein Bild zeigt eine blutende Person auf dem Boden, um die sich andere kümmern.
Organisatoren fordern politische Konsequenzen
Nach den Vorfällen forderten einige Organisatoren laut der „Mallorca Zeitung“ politische Konsequenzen. Unter anderem verlangten sie den Rücktritt des Leiters der ständigen Vertretung der Zentralregierung auf den Balearen. Diese Vertretung ist für Einsätze der Nationalpolizei zuständig. Die Demonstranten kritisierten nicht nur die Polizeigewalt, sondern auch die zunehmende Überlastung der Insel durch Touristen. „Mega Park = Krebs“ und „Stoppt den Massentourismus“ stand auf weiteren Schildern.
Hintergrund der Anti-Tourismus-Proteste
Die Proteste gegen Massentourismus auf Mallorca haben in den letzten Jahren zugenommen. Einheimische beklagen steigende Mieten, Umweltbelastungen und die Verdrängung aus dem öffentlichen Raum. Die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ will mit jährlichen Demonstrationen auf die negativen Folgen des Tourismus aufmerksam machen. Die Eskalation am Sonntagabend stellt eine neue Dimension dar, da es erstmals zu größeren Zusammenstößen mit der Polizei kam.
Reaktionen der Behörden
Die Polizei erklärte, dass die Einsatzkräfte auf Provokationen reagiert hätten. Die genauen Umstände der Eskalation sind noch unklar. Die Zentralregierung in Madrid äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen. Die Opposition auf den Balearen forderte eine Untersuchung des Polizeieinsatzes. Die Tourismusbranche der Insel zeigte sich besorgt über mögliche negative Auswirkungen auf das Image Mallorcas.
Ausblick
Es bleibt abzuwarten, ob die Proteste und die Gewalt am Sonntagabend zu einer politischen Debatte über die Tourismuspolitik auf den Balearen führen werden. Die Organisatoren kündigten an, den Druck aufrechtzuerhalten. Für die kommenden Wochen sind weitere Aktionen geplant, solange die Hauptreiszeit andauert.



