Antimuslimische Vorfälle in Berlin steigen sprunghaft auf 975 Fälle
Antimuslimische Vorfälle in Berlin steigen auf 975

In Berlin ist die Zahl erfasster antimuslimischer Vorfälle im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Die Claim-Allianz dokumentierte für 2025 insgesamt 975 Fälle – das sind 331 mehr als noch im Vorjahr 2024. Das geht aus dem am Montag vorgestellten Jahresbericht hervor. Die Vorfälle umfassen Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie körperliche Gewalttaten. Zudem wurden vier Angriffe auf Moscheen erfasst, während es 2024 keine gab. Im Durchschnitt ereigneten sich damit nahezu drei antimuslimische Vorfälle pro Tag in der Hauptstadt. Die Dunkelziffer wird jedoch als deutlich höher eingeschätzt.

Öffentlicher Raum und Bildungsbereich besonders betroffen

Am häufigsten wurden Vorfälle im öffentlichen Raum dokumentiert – mit 38,2 Prozent aller Fälle. Dahinter folgen der Bildungsbereich mit 17 Prozent sowie das Internet mit 16,5 Prozent. Die meisten erfassten Vorfälle waren verbale Angriffe (399), gefolgt von Körperverletzungen und Sachbeschädigungen (289) sowie Diskriminierungen (273). In Fällen, bei denen Angaben zum Geschlecht vorliegen, sind Frauen mit 57,5 Prozent überproportional betroffen. Die Gesamtanalyse zeigt, dass antimuslimische Vorfälle häufig im Kontext gesellschaftlicher und politischer Debatten auftreten.

Vertrauen in Institutionen geschwächt

Claim-Geschäftsführer Rima Hanano äußerte sich besorgt: „Erfahrungen betroffener Menschen werden noch immer häufig relativiert oder infrage gestellt. Das führt zu Verunsicherung, Rückzug und schwächt das Vertrauen in staatliche Institutionen und in die Politik.“ Dies sei kein Problem einer Minderheit, sondern eine demokratische Herausforderung für die gesamte Gesellschaft. Die Jahresbilanz des Bündnisses gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit basiert unter anderem auf Meldungen von elf Berliner Beratungs- und Meldestrukturen sowie community-basierten Initiativen. Der starke Anstieg der dokumentierten Fälle deute darauf hin, dass betroffene Menschen besser erreicht würden.

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