Arno Strobel: Warum seine Thriller so düster sind
Arno Strobel: Warum seine Thriller so düster sind

Der Psychothriller-Autor Arno Strobel verfasst seine düstersten Mordszenen ausschließlich nachts bei völliger Dunkelheit. Der 63-Jährige aus Tawern bei Trier hat bereits knapp 40 Bücher veröffentlicht und mehr als sechs Millionen Exemplare verkauft. Sein neuester Thriller „Happy Weekend“ erscheint am 26. August.

Nächtliches Schreiben für die perfekte Atmosphäre

Strobel schaltet das Licht aus und lässt die Jalousien herunter, wenn er an besonders grausamen Szenen arbeitet. „Es gibt gewisse düstere Szenen, Mordszenen – die schreibe ich nur nachts“, erklärt der Autor. „In der absoluten Finsternis macht sich ein gewisses Unbehagen breit. Und das ist genau das, was ich brauche.“

Tagsüber schreibt er bei Licht am Schreibtisch im Dachgeschoss, am Laptop im Garten oder unterwegs im Wohnmobil. „Ich denke mich voll und ganz in die Person hinein, über die ich gerade schreibe“, sagt Strobel. „Ich bin dann quasi sie.“ Dabei versetzt er sich in einen Tunnelzustand, denn „nur so funktioniert es“.

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Alltägliche Figuren in extremen Situationen

Der gebürtige Saarländer liebt es, seine Figuren aus dem normalen Alltag in extreme psychische Grenzsituationen zu bringen, in denen sie Todesangst haben. „Ich möchte erreichen, dass jeder denkt: ‚Ups, das könnte mir theoretisch auch passieren‘“, sagt Strobel, der ursprünglich Kfz-Mechaniker lernte und später als IT-Experte bei einer Bank in Luxemburg arbeitete.

Die Story seines neuen Werks folgt diesem Muster: Ein Mann und eine Frau brechen zu einem schönen Wochenende auf, doch an einer Raststätte wird ihnen der Koffer gestohlen. Da sie einen GPS-Tracker im Koffer haben, folgen sie dem Dieb – und geraten in eine tödliche Falle, die zum Alptraum wird.

KI als Recherchewerkzeug, nicht als Schreibhilfe

Strobel nutzt für seine Recherchen auch Künstliche Intelligenz. „Ich wäre verrückt, wenn ich das nicht machen würde“, sagt er. Wenn er zum Beispiel etwas über ein Verfahren in einem bestimmten Beruf wissen wolle, bekomme er bei ChatGPT zwei Sekunden später die Antwort. „Eine enorme Arbeitserleichterung.“

Zum Schreiben selbst brauche er KI nicht: „Ich schreibe meine Bücher immer noch selbst. Und das wird auch so bleiben.“ Hauptgrund: „Mir macht das Schreiben Spaß.“ Doch Strobel ist überzeugt, dass KI seinen Beruf „dramatisch verändern“ wird. „Diese Modelle werden immer besser. Ich glaube, es dauert noch eineinhalb, maximal zwei Jahre, dann sind diese Dinger so trainiert, dass sie auch wirklich Stile imitieren können.“

Er konzentriere sich daher auf das, was KI nicht könne: „immer mehr Präsenz“. Er mache vermehrt Lesungen und Events zu seinen Büchern.

Stoff findet er durch Beobachten

Die Ideen für neue Psychothriller gehen Strobel nicht aus. „Ich weiß, dass so viele Geschichten in mir stecken, so alt kann ich nicht werden.“ Meistens entdeckt er sie durch Beobachten im eigenen Umfeld. Wenn er etwa durch eine Fußgängerzone laufe, sehe er Situationen, bei denen er denke: „Wenn jetzt das und das wäre, dann wäre es interessant.“

Strobel hat erst mit 40 Jahren mit dem Schreiben begonnen. 2014 kündigte er seinen Job bei der Bank, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Gerade hat er seinen Thriller für den Herbst 2027 fertiggestellt. Zwei bis drei Monate braucht er für ein Werk. „Es ist tatsächlich so, dass ich schreibe und denke: ‚Oh, ich kann es gar nicht erwarten, wie es weitergeht‘“, verrät er.

Bestsellerlisten und der perfekte Mord

Strobel ist auch international erfolgreich: Seine Psychothriller sind in 16 Sprachen übersetzt. „Ich flippe immer noch aus, wenn ich meinen Namen auf der Bestsellerliste auf der 1 sehe“, sagt der Autor. „Ich habe sehr viel Glück gehabt in meinem Leben.“

Auch wenn er tief in die Gedankenwelt von Mördern abtaucht: Er habe noch nie daran gedacht, selbst ein Verbrechen zu begehen. „Ich glaube, dass die allerwenigsten Menschen dazu fähig sind, tatsächlich einem Menschen das Leben zu nehmen.“ Was für ihn der perfekte Mord ist? „Wenn jeder weiß, wer der Täter ist, aber keiner kann es ihm beweisen.“

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