Seit dieser Woche sind Lebensmittelgeschäfte und Apotheken in Schweden gesetzlich verpflichtet, wieder Bargeld zu akzeptieren. Damit rudert das einstige Vorreiterland der bargeldlosen Gesellschaft zurück. Die schwedische Regierung reagiert damit auf wachsende Kritik an der zunehmenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Was in Schweden passiert, sollte auch in Deutschland zu denken geben.
Der Zwang zum Digitalen nimmt zu
Immer häufiger hängen in Cafés, Museen oder Bussen Schilder mit der Aufschrift „Nur Kartenzahlung“ oder „Bitte App herunterladen“. Für viele Menschen wird der Alltag ohne Smartphone oder Kreditkarte zunehmend schwieriger. Dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit, sondern um gesellschaftliche Teilhabe. Millionen Bürger können oder wollen mit der digitalen Entwicklung nicht Schritt halten. Dazu gehören ältere Menschen, aber auch Personen ohne Bankkonto oder solche, die schlicht keine Lust haben, dass jeder Einkauf digital gespeichert wird.
Die Argumentation der Befürworter einer bargeldlosen Gesellschaft, dass Bargeld vor allem der Geldwäsche diene, greift zu kurz. „Die ältere Dame, die ihre Medikamente bar bezahlen möchte, ist keine Gefahr für unseren Rechtsstaat“, betont die Kolumnistin. Es sei diskriminierend, Menschen vom alltäglichen Leben auszuschließen, nur weil sie statt eines Smartphones einen 20-Euro-Schein in der Hand halten.
Schweden kehrt zur Barzahlung zurück
Schweden galt lange als Musterland der Digitalisierung. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich ein rein digitales Zahlungssystem ist. Ein technischer Defekt oder eine Cyber-Attacke könnte das gesamte System lahmlegen. „Dann ist der Schwede erledigt“, warnt die Kolumnistin. In solchen Fällen helfen Apple Pay und Co. nicht – nur Bargeld. Zudem wollen die Schweden verhindern, dass Menschen ausgeschlossen werden, die mit digitalen Bezahlformen nicht zurechtkommen.
Die gesetzliche Pflicht zur Annahme von Bargeld in Supermärkten und Apotheken ist ein klares Signal: Die Bürger müssen die Wahl haben. Fortschritt bedeutet nicht, alte Möglichkeiten abzuschaffen, sondern neue hinzuzufügen. Eine moderne Gesellschaft muss beides können.
Bargeld als Symbol der Freiheit
Für viele Deutsche ist Bargeld mehr als nur ein Zahlungsmittel. Es steht für Freiheit und Privatsphäre. Bargeld funktioniert ohne Akku und Internet, auch im Funkloch. Und niemand muss sich fragen, welcher Konzern gerade welche Daten über das eigene Konsumverhalten sammelt. „Bargeld ist Freiheit“, bringt es die Kolumnistin auf den Punkt.
Wahlfreiheit sei ein grundlegendes demokratisches Prinzip, das nie verloren gehen dürfe. Die Diskussion um Bargeld sei daher keine Frage der Technologie, sondern der Demokratie. Wer Bargeld abschaffen wolle, habe nicht verstanden, worauf eine freie Gesellschaft basiert.



