Botox-Trend: Warum die Verharmlosung von Nervengift problematisch ist
Botox-Trend: Verharmlosung von Nervengift problematisch

Botox als „moderne Hautcreme“: Ikkimel löst Debatte aus

Die Berliner Rapperin Ikkimel hat Botox kürzlich als „moderne, gute Hautcreme“ bezeichnet und damit den Einsatz von Nervengift in einem Nebensatz verharmlost. Für viele junge Frauen ist Ikkimel ein Vorbild – sie steht für ein selbstbestimmtes, unangepasstes Frauenbild. Doch dieser Kommentar sorgt für Kritik, denn Botox ist kein harmloses Kosmetikum, sondern ein starkes Nervengift, das Gesichtszüge lähmt und Emotionen wie die Zornesfalte oder das Stirnrunzeln ausradiert.

Die Wirkung von Botox auf Emotionen

Studien zeigen, dass Botox das Fühlen beeinflussen kann, weil die Mimik schwindet. Dies kann dazu führen, dass Wut weniger intensiv gespürt wird. In einer patriarchalen Welt, in der weibliche Wut seit Jahrhunderten problematisiert und als „Hysterie“ abgestempelt wird, sei dies besonders problematisch, so Miriam Schaptke, Bezirksreporterin in Neukölln und selbst Ikkimel-Fan. Eine durchgebotxte Welt verweise Frauen subtil auf ihren Platz: Sie sollen makellos, unauffällig und angepasst sein, aber nicht laut, wütend oder traurig.

Druck auf Frauen ab 30 in Berlin

In Schaptkes Berliner Blase, alle Anfang 30, haben sich bereits einige Botox spritzen lassen, viele andere denken darüber nach. Sie selbst möchte das ausschließen, spürt aber den Druck: „Was, wenn ich in ein paar Jahren die einzige Gealterte unter Junggebliebenen bin?“ Der Druck auf Frauen ab 30 sei enorm, denn Jugend sei eine Währung in unserem patriarchalen System. Botox sei längst Normalität – auch in Berlin, einer Stadt, die als wild, laut und unangepasst gilt, genau wie Ikkimel eigentlich.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Selbstbestimmung versus gesellschaftlicher Druck

Die Diskussion über Schönheitseingriffe ist komplex, denn Selbstbestimmung über den eigenen Körper beinhaltet auch, dass jede Person selbst entscheiden darf, was sie an ihrem Körper verändert. Dennoch warnt Schaptke davor, Botox als harmloses Mittel zu verharmlosen. Es sei Gift in unserer patriarchalen Welt, das Frauen dazu dränge, ihre Emotionen zu unterdrücken und einem makellosen Ideal zu entsprechen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration