Gedenken nach CSD-Anschlag: 600 Menschen trauern in Potsdam
CSD-Anschlag: 600 trauern in Potsdam

Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) am Samstag haben am Montag auf dem Alten Markt in Potsdam etwa 600 Menschen der Opfer gedacht. Die Versammlung vor der Nikolaikirche war von Trauer, Tränen und zugleich von der Entschlossenheit geprägt, sich Hass und Gewalt entgegenzustellen. Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit einem Großaufgebot und Durchfahrsperren.

Gedenken an der Nikolaikirche

Bei der mutmaßlich islamistisch motivierten Terrorattacke am Samstag war eine Frau aus Polen getötet worden, 29 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. „Wir trauern mit den Opfern und den Besuchern des CSD, die traumatisiert sind“, sagte Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos). „Das war kein Anschlag gegen die queere Community, sondern gegen uns alle, gegen eine offene Gesellschaft.“ Die Demokratie verspreche jedem Menschen ein Leben in Würde und Freiheit, so Aubel. Sie rief dazu auf, „jeden Tag, in jedem Gespräch“ aktiv für Vielfalt und die Rechte queerer Menschen einzustehen.

Potsdams Gleichstellungsbeauftragte Claudia Sprengel wandte sich gegen eine politische Instrumentalisierung der Tat. Das Leiden der Opfer dürfe nicht genutzt werden, um Hass gegen andere Menschen zu schüren. Sie bat die Polizei, Vertreter eines rechtsgerichteten Medienportals des Platzes zu verweisen. „Das soll hier heute ein sicherer Ort sein“, betonte Sprengel.

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Persönliche Betroffenheit und Appelle

Besonders emotional wurde es, als der Potsdamer Wolfgang Weber das Wort ergriff. Er hatte als Volunteer der CSD-Parade am Samstag Trucks eingewiesen und war später an der Abschlusskundgebung beteiligt. Auf dem Weg zur S-Bahn war er am späteren Anschlagsort vorbeigekommen. Mehrfach kamen ihm die Tränen, als er über seine persönlichen Erfahrungen als schwuler Mann und über das Erlebte auf „unserem Fest“ berichtete. „Geht hier heute nicht nur weg, sondern geht raus, engagiert euch“, forderte Weber. „Haltet euch gegenseitig, liebt, wen ihr wollt. Der Hass wird nicht gewinnen.“

Der Landesverband Andersartig, der ein Monitoring zu Queerfeindlichkeit in Brandenburg betreibt, teilte mit: „Es zerreißt uns das Herz.“ Queerfeindlichkeit müsse besser bekämpft werden, und die Ursachen müssten „besser, umfassender und frühzeitiger erkannt“ werden.

Forderungen aus Politik und Verbänden

Potsdams Linke forderte die Umsetzung eines Stadtverordnetenbeschlusses vom Dezember, der Ersatzwohnraum für das geschlossene queere Wohnprojekt in der Benkertstraße vorsieht. Zudem brauche Potsdam ein queeres Jugendzentrum, wie es die Stadtverordneten erst im Juli beschlossen hatten.

Uwe Fröhlich vom Kreisverband der Grünen mahnte, mehr gegen Gewalt, Hass und Hetze zu tun, anstatt Programmen wie „Demokratie jetzt“ die Gelder zu kürzen. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, aber es gibt ganz viele Lücken in der Prävention“, sagte er.

Jirka Witschak vom Beratungsverein Katte berichtete von täglichem Hass und Mobbing gegen queere Menschen, die etwa im Beruf benachteiligt würden. Die Folgen seien Suchterkrankungen, Depressionen oder Suizidversuche. „Seien wir alle wehrhaft, kämpfen wir für Demokratie und unser Leben in Würde“, rief er den Anwesenden zu.

Das Gedenken in Potsdam zeigte: Die queere Szene und ihre Unterstützer sind erschüttert, aber nicht bereit, sich von Hass einschüchtern zu lassen. Die Forderung nach mehr Schutz und einem entschlossenen Vorgehen gegen Queerfeindlichkeit eint sie.

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