CSD-Attentäter schob offenbar selbst Absperrgitter beiseite – Polizei rätselt über Sicherheitslücke
CSD-Attentäter schob selbst Absperrgitter beiseite

Die Sicherheitsvorkehrungen beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin waren massiv: Über 200 schwere Betonpoller und mehr als 2200 Polizisten sollten den Umzug schützen. Dennoch gelang es dem 21-jährigen IS-Anhänger Abdul Ballout, mit einem gemieteten Transporter in den Tiergarten zu rasen und zahlreiche Menschen zu überfahren. Nun stellt sich die Frage, warum genau an der Stelle, an der der Täter in den Park einfuhr, nur eine leichte Sperre aus sogenannten Hamburger Gittern stand – ohne zusätzlichen Polizeischutz.

Polizeikreise: Attentäter schob Gitter selbst zur Seite

Nach Informationen aus Polizeikreisen geht die Ermittlungsbehörde inzwischen davon aus, dass Ballout die Absperrgitter eigenhändig beiseitegeschoben hat. Die Hamburger Gitter, die eigentlich nur als mobile Barrieren für Menschenmengen dienen, wiegen pro Stück rund 20 Kilogramm und lassen sich von einer Person verschieben. Sie waren an diesem Abschnitt die einzige physische Barriere zwischen der Straße und dem Tiergarten. „Eine derart leichte Sperre an einer so sensiblen Stelle ist aus heutiger Sicht unzureichend gewesen“, sagte ein Ermittler der Berliner Kriminalpolizei am Mittwoch.

Warum wurde diese Zufahrt nicht besser gesichert?

Die betroffene Zufahrt liegt am südlichen Rand des Tiergartens, nahe dem Brandenburger Tor. Während die Hauptzugänge mit schweren Pollern und durchgehendem Polizeiaufgebot gesichert waren, blieb diese Nebenroute offenbar unter dem Radar der Sicherheitsplaner. Ein Sprecher der Polizei Berlin räumte ein, dass man die Stelle nachträglich als Schwachstelle identifiziert habe. „Wir prüfen derzeit, wie es zu dieser Lücke kommen konnte und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.“

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Der Täter und die Tat

Abdul Ballout, ein gebürtiger Libanese, der zuletzt in Neukölln lebte, war den Behörden als islamistischer Gefährder bekannt. Er soll nach ersten Erkenntnissen allein gehandelt haben. Gegen 14:30 Uhr raste er mit seinem Transporter über die Absperrung hinweg in die Menschenmenge auf der Festmeile des CSD. Dabei starben nach offiziellen Angaben drei Menschen, Dutzende wurden verletzt, einige davon schwer. Ballout selbst wurde noch am Tatort von einem Polizisten erschossen.

Die Debatte um Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen

Der Anschlag hat eine erneute Debatte über die Sicherheit bei Großveranstaltungen wie dem CSD ausgelöst. Sicherheitsexperten kritisieren, dass die Polizei bei der Planung offenbar zu sehr auf die Abschreckung durch Präsenz setzte, statt auf durchgängige physische Barrieren. „Ein einzelner Täter mit einem Fahrzeug kann nur durch massive, unbewegliche Hindernisse gestoppt werden“, sagte der Sicherheitsberater Thomas M. der Deutschen Presse-Agentur. „Mobile Gitter sind dafür nicht ausgelegt.“

Polizei kündigt Überprüfung an

Berlins Polizeipräsidentin Dr. Margit Koch kündigte eine umfassende Überprüfung aller Sicherheitskonzepte für öffentliche Veranstaltungen an. „Wir werden jeden Zugang neu bewerten und gegebenenfalls mit zusätzlichen mobilen Pollern oder Posten verstärken“, sagte sie in einer Pressekonferenz. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte zudem ein bundesweit einheitliches Konzept zum Schutz von LGBTIQ-Veranstaltungen.

CSD-Organisatoren fordern mehr Schutz

Die Veranstalter des CSD Berlin zeigten sich erschüttert, aber auch wütend über die Sicherheitslücke. „Wir haben wiederholt auf die Gefahr von Fahrzeugattentaten hingewiesen“, sagte Sprecherin Laura Schmidt. „Dass nun genau das passiert ist, hätte verhindert werden können.“ Die Organisatoren verlangen, dass künftig alle Zufahrten zu CSD-Geländen mit zertifizierten Pollern gesichert werden – und zwar nicht nur bei der Berliner Parade, sondern bei allen vergleichbaren Events bundesweit.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und prüft, ob Ballout Unterstützer hatte. Bislang gibt es keine Hinweise auf ein Netzwerk. Die technische Untersuchung des Transporters ergab, dass das Fahrzeug nicht manipulierte war. Offen ist, wie der Täter an das Fahrzeug gelangte – es war auf einen Bekannten zugelassen, der vernommen wird. Die Polizei sucht zudem nach möglichen Videoaufnahmen von Zeugen, die den Moment des Durchbruchs zeigen könnten.

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Ausblick: Konsequenzen für die Sicherheitsarchitektur

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie können Veranstaltungen im öffentlichen Raum wirksam geschützt werden, ohne sie in Festungen zu verwandeln? Die Balance zwischen Zugänglichkeit und Sicherheit wird in den kommenden Wochen viele Diskussionen bestimmen. Klar ist bereits: Die Ära der leichten Absperrgitter an neuralgischen Punkten dürfte nach dem CSD-Anschlag in Berlin endgültig vorbei sein.