Der mutmaßlich islamistisch motivierte Terroranschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) am vergangenen Samstag hat die queere Gemeinschaft erschüttert. Gegen 22 Uhr steuerte der 21-jährige Abdul Ballout einen weißen Kleinbus in Menschengruppen im Tiergarten. Eine 65-jährige Frau starb, 29 Personen wurden teils schwer verletzt. Marcel Voges, Vorstandsmitglied des veranstaltenden Vereins, war auf der Bühne, als die Nachricht eintraf.
Die entscheidenden Minuten auf der Bühne
„Ich habe direkt in den Krisenmodus geschaltet“, sagte Voges dem Tagesspiegel. „In solchen Momenten funktioniert man einfach. Klare Ansagen, keine Panik – das war mein Ziel.“ Voges übernahm sofort die Moderation und forderte die Teilnehmer auf, den Bereich geordnet zu verlassen. „Ich habe den Leuten gesagt: Geht ruhig, aber zügig zu den Ausgängen. Helft einander.“ Innerhalb weniger Minuten leerte sich der Tiergarten.
Die Ereignisse im Detail
Nach ersten Erkenntnissen fuhr Ballout mit hoher Geschwindigkeit auf die Menschenmenge zu. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen noch am Ort fest. Die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der Ermittlungen. „Wir sind tief betroffen“, so Voges. „Der CSD steht für Frieden, Liebe und Akzeptanz. Dass so etwas passiert, ist ein Schock für uns alle.“
Auswirkungen auf die CSD-Bewegung
Trotz des Anschlags will der Verein den CSD nicht absagen. „Wir lassen uns nicht von Hass und Gewalt einschüchtern“, betont Voges. „Im Gegenteil: Die Pride wird noch wichtiger. Wir werden im nächsten Jahr stärker zurückkommen.“ Bereits jetzt laufen Planungen für Sicherheitsmaßnahmen. „Wir werden mit der Polizei und Sicherheitsexperten sprechen, um solche Vorfälle künftig zu verhindern.“
Die queere Community in Berlin solidarisiert sich
Nach dem Anschlag gab es zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sprach den Opfern ihr Mitgefühl aus. „Berlin steht zusammen gegen Terror und Hass“, erklärte sie. Auch queere Organisationen weltweit zeigten sich erschüttert. Der CSD Berlin ist eine der größten Pride-Veranstaltungen Europas. Laut Veranstalter nahmen in diesem Jahr rund 500.000 Menschen teil.
Der Tathergang und die Opfer
Die getötete Frau war 65 Jahre alt und stammte aus Berlin. Die 29 Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht, einige von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Tat und zum Motiv aufgenommen. Nach Angaben von Sicherheitsbehörden war der Täter zuvor nicht als Islamist bekannt. Er stammt aus dem Libanon und lebte seit seiner Kindheit in Deutschland.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte die Tat scharf. „Wir müssen alles tun, um unsere freiheitliche Gesellschaft zu schützen“, sagte sie. Die Oppositionspolitikerin und Linke-Vorsitzende Janine Wissler forderte eine bessere Unterstützung für queere Veranstaltungen. „Sicherheitskonzepte müssen angepasst werden, aber ohne die offene Atmosphäre zu zerstören.“ Auch die CSD-Community in anderen Städten zeigte sich betroffen. In Hamburg und München gab es Schweigeminuten.
Der CSD als Symbol der Toleranz
Der Christopher Street Day erinnert an die Stonewall-Aufstände von 1969 in New York und steht für die Rechte queerer Menschen. Der Berliner CSD ist seit Jahrzehnten ein Höhepunkt des queeren Jahres. „Wir haben schon viele Herausforderungen gemeistert“, so Voges. „Auch das werden wir überstehen.“ Für das nächste Jahr plant der Verein eine noch größere Veranstaltung. „Unser Motto wird sein: ‚Stärker im Regenbogen‘.“



