Die Drogenschmuggelrouten entlang der deutschen Küste verlagern sich zunehmend von großen Seehäfen auf kleinere und mittlere Häfen. Dies gab der Leiter des Zollfahndungsamts Hamburg, Nils Gärtner, bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2025 bekannt. Betroffen seien unter anderem die niedersächsischen Häfen Wilhelmshaven, Emden und Brake.
Gärtner erklärte, die Schmuggler reagierten damit auf den erhöhten Druck des Zolls in den großen Häfen wie Hamburg und Bremerhaven. Das Zollfahndungsamt Hamburg ist für die gesamte deutsche Küste zuständig und muss daher das gesamte Gebiet überwachen. Bereits im Januar hatte Europol berichtet, dass Kriminelle versuchten, große Häfen zu umgehen, indem sie Drogenübergaben auf See organisierten.
Im Hamburger Hafen stellte der Zoll im vergangenen Jahr 3,6 Tonnen Kokain sicher, in Bremerhaven 1,5 Tonnen. Insgesamt beschlagnahmte das Zollfahndungsamt Hamburg 5,1 Tonnen Kokain – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 9,2 Tonnen im Jahr 2024 und 14,4 Tonnen im Jahr davor. Gärtner führt dies auf Anpassungen der Täter zurück, die kleinere Ladungen verschickten und Kokain chemisch maskierten, um die Detektion zu erschweren.
Die Hauptarbeit beginne laut Gärtner erst nach der Sicherstellung: Ziel sei es, die Drahtzieher zu ermitteln, Täterstrukturen zu zerschlagen und inkriminiertes Vermögen zu entziehen. Die Ermittlungen könnten sich über Monate oder Jahre hinziehen. Im Mai 2024 wurde ein Hafensicherheitszentrum an der Elbe eröffnet, in dem Polizei, Zoll und Hafenverwaltung zusammenarbeiten, um die Hafenwirtschaft über die Gefahren durch Drogenbanden zu informieren.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte die bundesweite Jahresbilanz bereits zuvor in Leipzig vorgestellt. Dabei kündigte er 1.500 zusätzliche Stellen für den Zoll an, um unter anderem gegen Schwarzarbeit vorzugehen. Die Leiterin des Hauptzollamts Hamburg, Melanie Schmaljohann, berichtete, dass die Kontrollen von Arbeitgebern im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel gestiegen seien. Schwarzarbeit betreffe vor allem Branchen mit niedrigen Löhnen, komme aber in allen Wirtschaftsbereichen vor.



