Abdul Ballout, der am vergangenen Wochenende bei einem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) 29 Menschen verletzte und eine Frau tötete, wird von seinem Vater Tawfik B. als „liebevollen“ und „großzügigen“ Menschen beschrieben. In einem Telefonat mit dem „Spiegel“ noch vor der tödlichen Polizeiaktion sagte der 64-Jährige: „Er hatte das Herz eines Kindes. Er war emotional und hat mich immer vermisst.“ Der junge Deutsche mit libanesischen Wurzeln war seit Jahren im islamistischen Milieu aktiv und soll mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisiert haben.
Tathergang und Festnahme
Am Samstagabend steuerte Ballout einen weißen Minivan im Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge am Rande des CSD. Das Fahrzeug prallte gegen einen Baum, woraufhin der Täter mit einer Machete weitere Personen attackierte. Eine Frau starb noch am Ort, 29 Menschen wurden verletzt. Anschließend floh Ballout. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein, durchkämmte Tunnel, Busse und Züge und stürmte seine Wohnung in Schöneberg. Am Sonntagabend orteten Spezialeinsatzkräfte ihn in einer Gartenlaube in Spandau. Als Ballout die Beamten mit einem Messer angriff, eröffneten sie das Feuer und töteten ihn.
Vaters Schilderung: Ein normaler Tag
Noch am Samstag, kurz vor der Tat, telefonierte Ballout mit seinem Vater, der sich im Libanon aufhält. „Er rief mich an und wir sprachen ganz normal, wie jeden Tag. Er sagte, er vermisse mich und wünschte sich, jetzt bei uns im Libanon zu sein“, so Tawfik B. gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Der Vater schildert seinen Sohn als unauffällig: Er habe keinen festen Job gehabt, sei bis zur zehnten Klasse zur Schule gegangen und habe gelegentlich als Sicherheitsmitarbeiter oder Fahrer gearbeitet. „Er schlief viel und stand erst am späten Nachmittag auf“, sagte der Vater. „Er verbrachte viel Zeit am Handy oder vor dem Fernseher.“
Radikalisierung und IS-Sympathien
Ballout war den Behörden bereits bekannt. Wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat war er zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt worden, die Bewährungsentscheidung war ausgesetzt. Ein Haftbefehl wurde aufgehoben. Er sollte an einem Deradikalisierungsseminar teilnehmen, was jedoch nie stattfand. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft war Ballout mehrfach in den Libanon gereist, um sich dem IS anzuschließen – erfolglos. Sein Vater, selbst Schiit, betont: „Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den IS nicht.“ Dennoch habe sein Sohn die Sunniten „geliebt“. Tawfik B. ist überzeugt, dass sein Sohn einer Gehirnwäsche unterzogen wurde: „Ich habe ihm verboten, einen langen Bart zu tragen – das war ein ständiger Streitpunkt.“
Die letzten Stunden vor dem Anschlag
Ab 22 Uhr am Samstag versuchte der Vater verzweifelt, seinen Sohn zu erreichen. „Seine Mutter dreht durch, auch ich habe nicht geschlafen und nichts gegessen, seit ich die Nachricht gehört habe.“ Die letzte Nachricht von Ballout kam um 21.53 Uhr – fast zeitgleich mit der Amokfahrt. Die Eltern sind getrennt; Ballout lebte mit seiner Mutter und drei Schwestern in Schöneberg. Ein Nachbar, der mit ihm die Grundschule besuchte, sagte, Ballout habe sich nie politisch geäußert. Vor drei Monaten kehrte er aus dem Libanon zurück und heiratete in Berlin – eine kleine Feier vor dem Mehrfamilienhaus.
Reaktionen und Kritik
Der Polizeieinsatz löste eine Debatte über das Strafrecht aus. Kritiker fragen, warum Ballout trotz seiner Vorgeschichte auf freiem Fuß war. Die Ermittlungen zu möglichen Netzwerken laufen. Der Vater bleibt fassungslos: „Er war kein Terrorist, er war ein verwirrter Junge.“ Die Behörden sehen das anders und werten die Tat als islamistisch motivierten Anschlag.



