Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin am 27. Juli 2026 stehen Politik und Gesellschaft vor der Frage: Hätte die Tat verhindert werden können? In der Debatte um Konsequenzen dominieren Forderungen nach schärferem Jugendstrafrecht und der Fußfessel für Gefährder. Ein Kommentar der Volontärin Nele Sittig in der Funke Mediengruppe plädiert jedoch dafür, den Fokus auch auf Prävention zu legen.
Die Rolle der Prävention
Zwar seien die Rufe nach Verschärfungen laut, doch viele Präventionsprogramme gegen Radikalisierung seien erfolgreich, so Sittig. Dieser Erfolg bleibe oft unsichtbar, weil bei Erfolg keine spektakulären Vorfälle ausbleiben. Dabei setze Karin Prien (CDU) mit ihrer Ankündigung, den Ländern mehr Geld für Angebote wie Jugendsozialarbeit, Bildungsmaßnahmen und Schulprogramme zur Verfügung zu stellen, genau richtig an. Deradikalisierung sei ein langer Prozess, der früh greifen müsse, da sich vor allem junge Menschen radikalisieren – unabhängig von islamistischem, linkem oder rechtem Extremismus.
Grenzen der Prävention
Der Fall des Täters Abdul Ballout zeige jedoch die Grenzen von Prävention und Resozialisierung auf, da die Familie nicht kooperierte und Sozialarbeiter keinen Zugang mehr zu ihm fanden. Gerade in solchen Fällen sei ein schärferes Strafrecht notwendig, um die Gesellschaft zu schützen. Dennoch dürfe die Prävention nicht vernachlässigt werden, betont Sittig.
Eine Kombination der Maßnahmen
Der Staat brauche eine Kombination aus verschiedenen Hebeln: Wachsamkeit, Prävention, Resozialisierung für Aussteiger und, wenn nötig, strafrechtliche Verschärfungen. Der Schutz der Gesellschaft stehe an erster Stelle. Der Kommentar schließt mit der Forderung, dass Politik und Gesellschaft beide Wege gehen müssen – sowohl die punitiven als auch die präventiven Maßnahmen.



