Es war 1958, als eine 22-jährige Köchin an Bord des Schiffes „Drachenfels“ eine Flaschenpost in den Rhein warf. 68 Jahre später wurde die grüne Flasche bei Bauarbeiten am Ufer von Oberwesel in Rheinland-Pfalz entdeckt. Dank akribischer Recherchen konnte die Verfasserin, heute 90 Jahre alt, identifiziert werden. Der Stadtbürgermeister Jan Zimmer (CDU) spricht von „wahrer Detektivarbeit“.
Der Fund am Rheinufer
Bauarbeiter stießen bei Erdarbeiten am Rheinufer auf die Flasche. Darin steckte eine handgeschriebene Nachricht auf der Rückseite einer Speisekarte. Die Worte, teils auf Französisch, verrieten eine sehnsuchtsvolle Bitte: „Ich liebe Anni von ganzem Herzen. Wir sind auf einem Schiff auf dem Rhein gefahren. Wir suchen junge Französinnen für einen Briefwechsel …“ Die Botschaft stammte von Anni N., damals Köchin auf dem Schiff „Drachenfels“, das zwischen Koblenz und Mainz pendelte.
Die Suche nach der Absenderin
Die Adresse auf der Nachricht war aufgrund von Umbenennungen und Eingemeindungen lange nicht mehr gültig. Bürgermeister Jan Zimmer schaltete das Einwohnermeldeamt ein und fand schließlich die Tochter der Verfasserin. „Ich bin total überrascht, dass ich da tatsächlich jemanden gefunden habe“, sagte Zimmer gegenüber der „Rhein-Zeitung“. Die Senioren lebt heute mit ihrem Mann in der Eifel. Ihre Tochter Annette N. berichtete, die Mutter könne sich nicht mehr genau an das Schreiben erinnern. Es sei wohl in einer Gruppe von Freunden verfasst worden – daher auch die wechselnden Handschriften.
Eine Reise in die Vergangenheit
Die Flaschenpost war damals kein Einzelfall. „Sie hat gesagt, Flaschenpost zu verschicken, war damals wohl gang und gäbe. Es wurden beinahe täglich welche verschickt“, erklärte die Tochter. Anni N. habe auf dem Schiff eine ihrer schönsten Zeiten erlebt, obwohl es nie zu einer Romanze mit einem der an Bord befindlichen Franzosen kam. „Sie hatte dort eine ihrer schönsten Zeiten“, so die Tochter. Die Flaschenpost soll nun im Stadtmuseum oder direkt am Rheinufer ausgestellt werden.



