Die USA ermitteln nach Hackerangriffen auf Wasser- und Abwasserversorger in mindestens sieben Bundesstaaten. Der Verdacht richtet sich gegen den Iran. Betroffen sind drei Dutzend Gemeinden in Minnesota sowie der Nachbarstaat Michigan. Trinkwasser wurde wohl nicht verunreinigt, doch die Suche nach Schäden in den Steuerungssystemen läuft auf Hochtouren.
Trumps Irankrieg erreicht die Heimatfront
Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre es eine neue Eskalationsstufe im seit fast einem halben Jahr andauernden Irankrieg von US-Präsident Donald Trump. Mein Kollege Alexander Sarovic berichtet aus New York: »Der Krieg hätte die kritische Infrastruktur in Amerika erreicht.« Trump wirke zunehmend ratlos, so Sarovic. »Der Irankrieg ist in der Bevölkerung so unbeliebt wie vielleicht kein anderer, seit es Umfragen gibt.«
Am Wochenende kündigte Trump an, ab Montag Verhandlungen zu starten und daher von Angriffen abzusehen. Doch ähnliche Ankündigungen gab es bereits früher. Irans Außenministerium widersprach umgehend: Für diese Tage seien keine Gespräche mit den Amerikanern geplant. Man verhandle lediglich mit Oman über die mögliche Öffnung der Straße von Hormus.
Ceuta: Eine Stadt am Rande des Nervenzusammenbruchs
In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika bleibt die Lage angespannt. Ende vergangener Woche kamen mindestens 50.000 Menschen an, viele ertranken beim Versuch, um den Grenzzaun zu schwimmen. Am Wochenende war von 72 Toten die Rede. Jan Petter und Zoé Kammermann schildern in ihrer Reportage: »Das Meer spült Schuhe und Rucksäcke an den Strand. Noch immer werden Opfer geborgen, offenbar auch Säuglinge und Kinder. Wenige Meter entfernt wird schon wieder gebadet.«
Warum so viele Menschen gleichzeitig aufbrachen, bleibt unklar. Dutzende Migranten berichten, marokkanische Sicherheitskräfte hätten sie passieren lassen oder in Richtung Spanien gedrängt. Marokkos Innenministerium bestreitet dies und spricht von einer spontanen Bewegung. Inzwischen sind die meisten Neuankömmlinge wieder fort, doch Hunderte harren noch aus. Das Militär patrouilliert, rechte Politiker und Influencer reisen an, um Stimmung zu machen. »Sie nutzen uns alle wie eine Bühne für ihre Show«, sagt ein Einwohner. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen rief am Montag zu Solidarität auf, doch Europa wirkt gespalten: 22 der 27 EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten Madrid in einem Brief indirekt vorgeworfen, Anreize für Einwanderer zu setzen. Am Dienstag tagen die EU-Innenminister.
Infantino unter Druck: Erste Verbände ziehen die Reißleine
Fifa-Präsident Gianni Infantino sieht sich einer beispiellosen Revolte gegenüber. Nachdem Pläne bekannt wurden, Rechte an der WM und der Club-WM an private Investoren zu verkaufen, gingen die Kontinentalverbände Uefa, Concacaf und AFC auf Distanz. Sie zwangen Infantino zum Rückzieher. Laut dem britischen »Guardian« hat der Schweizer nun eine Beratungsfirma engagiert, um die Beziehungen zu kitten. Doch die Uefa bestätigte am Montag, rechtliche Schritte zu erwägen. Wales und England haben als erste Nationalverbände erklärt, seine Wiederwahl nicht zu unterstützen.
»Ein Wechsel an der Spitze des Weltverbands, jahrelang gänzlich unrealistisch, erscheint plötzlich als realistische Option«, analysiert mein Kollege Marco Fuchs. Die nächste Wahl ist für März 2027 angesetzt, ein Misstrauensvotum auf einem außerordentlichen Kongress wäre möglich. Namen möglicher Nachfolger kursieren bereits.
Weitere Nachrichten des Tages
- Mehr als tausend Juristen fordern ein AfD-Verbotsverfahren. Sie fürchten einen »ernsthaften Schaden« für die Demokratie.
- Der Dax steigt auf ein Rekordhoch von 25.912,59 Punkten, begünstigt durch gefallene Ölpreise.
- Myanmars Militär zeigt seltene Bilder von Aung San Suu Kyi, vermutlich im Vorfeld eines Staatsbesuchs.
- Bei ukrainischen Attacken in der Schwarzmeerregion sind zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Drohnenangriff auf einen Badeort.
Zum Feierabend: Ein Filmtipp aus Taipeh
Der taiwanische Spielfilm »Left-Handed Girl« von Regisseurin Tsou Shih-Ching steht auf Netflix und war 2025 auf der Oscar-Shortlist. Er erzählt von der fünfjährigen I-Jing und ihrer Schwester, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Taipeh leben. Der Film wurde komplett mit einem Smartphone gedreht und ist eine Liebeserklärung an die Stadt. Eine taiwanische Kulturkritikerin schreibt: »Ich weiß sehr zu schätzen, dass der Film nicht versucht, Taiwan zu beschönigen. Er fängt den Hintergrundlärm dieses Landes perfekt ein und zeigt, wie erdrückend traditionelle Werte für Frauen sein können. Aber gleichzeitig ist dies der Ort, an dem ich lebe und liebe, an dem meine Seele zu Hause ist.«



