Hamburgs Leuchttürme sind weit mehr als nur Navigationshilfen: Sie dienen als romantische Hochzeitskulisse, Schauplatz von Krimis und Zeugen der maritimen Geschichte. Insgesamt 13 Leuchttürme gehören zur Hansestadt, zehn davon sind noch in Betrieb. Frank Toussaint, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Seezeichen, betont: „Das Feuer ist das, worum es geht. Deshalb sagt man auch nicht Leuchtturmwärter, sondern Leuchtfeuerwärter.“
Vielseitige Leuchtfeuer: Von Richtfeuern bis zu Leitfeuern
Leuchtfeuer gibt es in verschiedenen Ausführungen: Richtfeuer helfen Schiffen, sich exakt im Fahrwasser zu positionieren, Orientierungsfeuer dienen als Fixpunkte, Einfahrtsfeuer markieren Hafenanfahrten, und Leitfeuer fungieren als „Ampeln“ auf See. Toussaint erklärt: „Das ist dann in der Mitte weiß und links und rechts rot und grün. Wenn das Schiff im weißen Sektor ist, dann weiß es: ‚Ich bin richtig.‘ Aber wenn die Farbe des Feuers plötzlich rot oder grün wird, dann muss man in die Seekarte gucken.“
Obwohl moderne Technik wie LED die offenen Feuer ersetzt hat, bleibt die Faszination erhalten. „Verbrennen kann man sich natürlich auch an der Glühlampe noch“, scherzt der Experte.
Der kleinste Leuchtturm: Bunthäuser Spitze
Der kleinste Leuchtturm Hamburgs ist nur etwa sieben Meter hoch und steht an der Bunthäuser Spitze in Wilhelmsburg. Diese Landzunge teilt die Elbe in Norder- und Süderelbe und liegt im Naturschutzgebiet Heuckenlock. Besucher erreichen das denkmalgeschützte Wahrzeichen in etwa einer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach einem Spaziergang durch Laubbäume bietet sich ein idyllisches Bild: Der grün-weiße Turm, umgeben von Vogelgezwitscher und Schafen auf der anderen Uferseite. 19 Stufen führen zur Aussichtsplattform, oder man genießt die Aussicht von der Holzbank.
Der Turm wurde 1914 errichtet, um Schiffen die Orientierung zu erleichtern, wie ein Sprecher der Hamburg Port Authority (HPA) erklärt. Seit 1977 ist das Leuchtfeuer außer Betrieb. „Da leuchtet nichts mehr, da sind auch oben keine Glasscheiben mehr drin“, sagt Toussaint. Vandalismus führte dazu, dass die Fenster durch Aluminiumplatten ersetzt wurden. Die Stadtmeisterei kümmert sich um die denkmalgerechte Instandhaltung.
In der Krimireihe von Christiane Fux wird die Bunthäuser Spitze zum Schauplatz eines Mordfalls: In „Das letzte Geleit“ entdeckt Ermittler Theo Matthies dort seine erste Leiche.
Die Richtfeuerlinie Wittenbergen-Tinsdal
In Rissen stehen gleich zwei Leuchttürme: das fast 42 Meter hohe Oberfeuer Tinsdal und das rund 30 Meter hohe Unterfeuer Wittenbergen. Zusammen bilden sie die Richtfeuerlinie Wittenbergen-Tinsdal, die noch immer in Betrieb ist. „Wenn man irgendwo zehn Meilen vor Helgoland ist, dann ist das ja ziemlich egal, ob Sie ein paar hundert Meter weiter links oder rechts schippern. Aber wenn man das in der Elbe macht, dann gibt's einen Unfall“, erklärt Toussaint. Richtfeuer gibt es meist im Doppelpack, etwa einen Kilometer voneinander entfernt. „Wenn das Schiff drauf zufährt, dann muss es das vordere Unterfeuer genau unter dem Oberfeuer sehen.“
Die Türme sind von der Innenstadt in etwa 75 Minuten erreichbar. Die Atmosphäre ist einzigartig, wenn große Containerschiffe an den Stahlriesen vorbeiziehen. Ende des 19. Jahrhunderts ließ die Stadt zahlreiche Gittertürme errichten, von denen fünf erhalten sind. Die Richtfeuerlinie wird vom WSA Elbe-Nordsee betrieben, das regelmäßige Begehungen durchführt, um die Funktionalität zu gewährleisten.
Neuwerk: Das älteste Leuchtfeuer wird zum Hotspot
Auf der Insel Neuwerk steht Hamburgs ältestes Leuchtfeuer: Der Backsteinturm wurde vor über 700 Jahren als Wehrturm gegen Piraten errichtet und diente von 1814 bis 2014 als Orientierungsfeuer. Seitdem ist es stark abgedimmt, nur noch für Touristen. „Nautisch ist er seitdem nicht mehr relevant“, sagt Toussaint. Die Stadt investiert rund 40 Millionen Euro in die Sanierung der Insel, wobei der Leuchtturm im Mittelpunkt steht. Kultursenator Carsten Brosda (SPD) betont, die Geschichte solle „auch für kommende Generationen erlebbar“ bleiben.
Die Arbeiten sind wegen der abgeschiedenen Lage eine logistische Herausforderung: Materialien müssen per Schiff oder über das Watt gebracht werden. Nach der Restaurierung der Fassade wird der Innenbereich erneuert. Ab 2028 sollen Gäste dort übernachten, essen und sogar heiraten können. Auch die Insel selbst soll sich mit neuen Wohnprojekten und Gastronomie weiterentwickeln. Neuwerk liegt rund 100 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, etwa 15 Kilometer nordwestlich von Cuxhaven. Die Einwohnerzahl ist unklar: „Genau wissen wir es nicht. Hier geistert die Zahl 18 rum, manchmal heißt es aber auch 22“, sagte eine Sprecherin der Finanzbehörde der dpa.



