Das Humboldt Forum feiert seinen fünften Geburtstag – doch die Stimmung ist gedämpft. In der Passage flattern zwar Fähnchen, doch die Macher des größten Kulturneubaus der Bundesrepublik rechnen die Zahl eher herunter. Eröffnet wurde das Haus während der Corona-Pandemie am 20. Juli 2021, als es noch nicht vollständig zugänglich war. Von den Kontroversen des Anfangs hat sich das Humboldt Forum nie ganz erholt.
Neuanfang im Ethnologischen Museum
Im Ethnologischen Museum soll die Britin Henrietta Lidchi nun einen Neuanfang machen. Sie tritt die Nachfolge von Jonathan Fine an, der das Haus nach internen Konflikten verließ. Lidchi bringt Erfahrung aus dem National Museum of World Cultures in den Niederlanden mit und steht vor der Herausforderung, das Museum neu zu positionieren. Die Ausstellungen sollen kritischer und partizipativer werden, um die koloniale Vergangenheit der Sammlungen aufzuarbeiten.
Kontroversen und offene Fragen
Das Humboldt Forum war von Anfang an umstritten. Die Rekonstruktion des Berliner Schlosses und die Präsentation außereuropäischer Kunstwerke stießen auf Kritik. Besonders die Herkunft der Exponate und der Umgang mit Raubkunst sorgten für Debatten. „Wir müssen uns der Vergangenheit stellen“, sagt eine Sprecherin des Hauses. Bislang fehlt jedoch ein umfassendes Konzept zur Provenienzforschung.
Die Besucherzahlen sind seit der Eröffnung schwankend. Nach Angaben der Stiftung Humboldt Forum kamen im ersten Jahr rund 1,5 Millionen Gäste, deutlich weniger als erhofft. Die Hoffnung ruht nun auf neuen Ausstellungen und einem klaren inhaltlichen Kurs.
Zukunftsperspektiven
Henrietta Lidchi plant, die Stimmen der Herkunftsgesellschaften stärker einzubeziehen. „Es geht nicht nur um Objekte, sondern um Menschen und ihre Geschichten“, erklärte sie bei ihrem Amtsantritt. Das Humboldt Forum stehe vor der Aufgabe, ein Ort der Begegnung und des Dialogs zu werden. Ob dies gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.



