Islamismus bekämpfen: Warum demokratische Muslime unsere Verbündeten sind
Islamismus bekämpfen: Muslime als Verbündete

Der Anschlag und die Folgen

Zwei Tage nach der Tat des mutmaßlichen Attentäters Abdul Ballout in Berlin sind viele Details noch unklar. Doch das Muster ist laut Sebastian Leber deutlich erkennbar: Islamisten wählen Orte, an denen Menschen ihre Freiheit öffentlich leben – in diesem Fall die Freiheit, zu lieben, wen man will, und die eigene Identität nicht zu verstecken. Der Terror zielt gezielt auf das, was die islamistische Ideologie verbietet.

Der Autor demonstrierte am Samstag auf der Straße des 17. Juni, um Solidarität mit der queeren Community zu zeigen, die sowohl von Rechtsextremen als auch von Islamisten attackiert wird. Er beschreibt eine friedliche, kraftvolle und humorvolle Veranstaltung.

Keine Toleranz für Intolerante

Mit Islamisten verhalte es sich wie mit Rechtsextremisten: Die Intoleranten hätten unsere Toleranz nicht verdient, so Leber. Islamismus müsse entschlossen mit den Mitteln des Rechtsstaats, politisch und zivilgesellschaftlich bekämpft werden. Betätigungsverbote gegen radikale Gruppen müssten durchgesetzt, salafistische TikTok-Prediger endlich Widerspruch erfahren.

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Doch wer den Islamismus nicht scharf vom Islam trenne, bekämpfe nicht nur die Falschen, sondern schade auch Millionen Muslimen, die auf der Seite von Demokratie und Freiheit stünden. Diese Differenzierung sei mehr als bloße Fairness – sie sei die Voraussetzung für eine erfolgreiche Islamismusbekämpfung.

Die Lehren aus Magdeburg

Sebastian Leber erinnert an den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024, bei dem ein Mann sein Auto in die Menge steuerte. Damals nahmen rassistische Übergriffe auf Migranten deutlich zu – im Durchschnitt wurde jeden Tag ein Migrant körperlich angegriffen oder schwer bedroht, vor allem solche, die für muslimisch oder arabisch gehalten wurden. Obwohl der Täter gar kein Muslim, sondern ein bekennender Islamhasser war, änderte dies nichts an der Kollektivhaftung. Eine solche Dynamik sei in Berlin bislang glücklicherweise nicht erkennbar, so der Autor.

Er beschreibt ein arabisches Ehepaar und eine Iran-stämmige Kölnerin, die am Samstagabend vor der Bühne mitfeierten, auf der ein Mann mit Hundemaske tanzte. „Es war wunderbar.“

Doppelte Opferrolle der Muslime

Islamismus schade den demokratischen Muslimen doppelt: Erstens, weil islamistische Anschläge auch Muslime töten und terrorisieren. Zweitens, weil jeder solche Anschlag Millionen friedlicher Muslime mit in Haftung nehme. Statt sie pauschal zu verdächtigen, müsse die Mehrheitsgesellschaft demokratische Muslime als Verbündete schützen, fordert Leber.

Nach jedem Anschlag komme die Frage auf, was „die Muslime“ nun tun oder erklären müssten. Doch die eigentliche Frage sei: Was tut die Mehrheitsgesellschaft, damit demokratisch gesinnte Muslime nicht für Verbrechen haftbar gemacht werden, deren Ideologie viele von ihnen selbst ablehnen und fürchten?

Gegenseitige Bestärkung von Islamisten und Rechtsextremen

Islamisten und Rechtsextreme nährten sich gegenseitig, so Leber. Jeder Anschlag liefere den Rechtsextremen neues Material, und jede pauschale Ausgrenzung bestätige die islamistische Propaganda. Islamismus sei eine totalitäre, menschenverachtende Ideologie. Ihre Anhänger betrachteten demokratische, liberale oder unpolitische Muslime als Abweichler oder zu Beeinflussende.

Im liberalen Berlin erlebe man immer noch, dass die Mehrheitsgesellschaft bei islamistischem Hass wegschaue, beispielsweise aus Sorge, andere zu diskriminieren. Wer dabei alles im Stich gelassen werde, gehe leicht unter. „Wer Islamismus kompromisslos bekämpft, verteidigt queere Menschen, Juden, Frauen, Andersgläubige – und Millionen demokratischer Muslime.“

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