Extremismusforscher: Islamismus größte Gefahr für queere Menschen in Deutschland
Islamismus größte Gefahr für queere Menschen in Deutschland

Politikwissenschaftler Hendrik Hansen hat die Reaktionen auf den mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin scharf kritisiert. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel warf er SPD, Grünen und Linkspartei vor, die Gefahr durch islamistische Homofeindlichkeit zu verharmlosen und Täter zu Opfern zu stilisieren.

Islamismus als größte Bedrohung für queere Menschen

„Islamismus ist für queere Menschen in Deutschland die größte Gefahr“, sagte Hansen. Zwar gebe es auch Homofeindlichkeit in der AfD, doch die AfD sei nicht in ihrer Gesamtheit homofeindlich. Die ganz große Gefahr entstamme dem islamistischen Spektrum. Hansen verwies auf zahlreiche Angriffe von Islamisten auf queere Menschen in ganz Europa in den vergangenen Jahren, darunter mehrere Tötungsdelikte. Auch CSDs würden regelmäßig aus islamistischen Milieus heraus angegriffen. Die öffentliche Debatte laufe jedoch an dieser Faktenlage vorbei.

Kritik an politischer Instrumentalisierung

Der Forscher bemängelte eine „fatale Neigung, Islamismus als Reaktion auf Diskriminierungserfahrungen kleinreden“. Dies entlaste die Täter und nehme ihnen die Verantwortung. Als Beispiel nannte Hansen die Enquetekommission des Berliner Abgeordnetenhauses für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dorthin hätten SPD und Grüne Vertreter des linken Flügels entsandt, die gemeinsam mit der Linken argumentiert hätten, nicht der Islamismus, sondern Diskriminierung sei das eigentliche Problem. „Da waren echte Auswüchse zu erleben“, so Hansen.

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Selbstbewusstsein für westliche Werte gefordert

Hansen plädierte dafür, dass der Westen seine eigenen Werte wieder mit mehr Selbstvertrauen vertreten müsse. Der CSD sei Ausdruck dieser Werte, zu denen auch offene Diskussionen gehörten – etwa über die Notwendigkeit von Fetischmärschen. Diese Debatten fänden jedoch im Rahmen einer pluralistischen Gesellschaft statt. Zur Prävention von Radikalisierung schlug Hansen vor, stärker auf den digitalen Raum zu fokussieren, da sich Radikalisierungsprozesse dorthin verlagert hätten.

Islamische Verbände in der Kritik

Bei der Frage nach der Distanzierung muslimischer Verbände von der Tat sah Hansen „Luft nach oben“. Er verwies auf die Nähe des Zentralrats der Muslime zu den radikalen Muslimbrüdern und bezeichnete Ditib als „verlängerten Arm von Erdogan in Deutschland“. „Bei jeder Moschee muss man genau hingucken, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Das ist Teil des Problems“, so Hansen.

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