Jürgen Drews trat am 12. Juli beim Empfang zu „Klassik am Odeonsplatz“ in München erstmals öffentlich mit einem Rollator auf. Der 81-jährige Schlagersänger zeigte sich dabei betont gelassen und offen im Umgang mit seiner Erkrankung.
Ein ungewohntes Bild des „Königs von Mallorca“
In der Fernsehberichterstattung fiel der Rollator sofort ins Auge, denn Drews wirkte ansonsten wie gewohnt: himmelblauer Anzug, weißes Hemd, weiße Turnschuhe und seine volle braune Haarmähne. An seiner Seite war Ehefrau Ramona (52), mit der er seit 1994 verheiratet ist. Doch der Rollator passte nicht zum Image des Mannes, der über 50 Jahre lang ewige Jugend und Gesundheit verkörperte.
Bereits seit 2022 ist bekannt, dass Drews an Polyneuropathie leidet, einer unheilbaren Nervenschädigung. Trotz dieser schweren Diagnose hat er sein Lächeln nicht verloren.
Vom Frauenheld zur respektierten Legende
In den 1970er Jahren galt Drews als wandelnde Geschlechtsdrüse und war bekannt für sein lockeres Verhältnis zur Prominenz. Er selbst beschrieb sich einst als „natur-stoned“ und „Naturell immer auf Droge“. Seine größten Hits wie „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Barfuß durch den Sommer“ hielt er eigentlich für unter seiner Würde, doch damit begeisterte er auf Mallorca ein Publikum aller Altersgruppen.
Vor vier Jahren zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seine größte Angst war stets, vergessen zu werden – keine Selfies mehr, keine Wiedererkennung. „Nichts ist schlimmer, als keinen Erfolg mehr zu haben, aber ein Gesicht, das jeder erkennt“, sagte einst Schlagersänger Roy Black. Für Drews scheint dies jedoch nicht das Schlimmste zu sein.
Offenheit als neuer Mut
Drews nimmt bewusst das Risiko in Kauf, dass aus Bewunderung Mitleid werden könnte. Die ständigen Fragen nach seinem Befinden werden ihn wohl künftig begleiten. Für einen bis ins hohe Alter attraktiven und begehrten Mann ist das nicht leicht. „Ich gehe schon noch ganz normal“, sagte er lächelnd, „nur langes Stehen fällt mir schwer.“ Dann stellte er den Rollator in die Ecke und feierte das Leben.
Jürgen Drews mag eine Ikone sein, die 98 Prozent der Deutschen kennen. Doch jetzt zeigt er sich als Mensch, der für seine Ehrlichkeit und seinen Mut bewundert wird. Kein König von Mallorca mehr, aber ein König der Herzen.



