Jungbauer in Bad Wörishofen kämpft für Traumhof gegen Bürokratie
Jungbauer kämpft für Traumhof gegen Bürokratie

Der Landkreis Unterallgäu ist geprägt von Milchviehbetrieben und weiten Wiesen. Die Landwirtschaft hat hier eine lange Tradition und prägt das Landschaftsbild. Doch der Strukturwandel macht auch vor dieser Region nicht halt. Immer mehr Höfe geben auf, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt oder ein Nachfolger fehlt. Ein junger Landwirt aus Bad Wörishofen will es trotzdem wissen – und stößt dabei an die Grenzen der Bürokratie.

Seinen Traum vom eigenen Bauernhof hat sich der 28-Jährige anders vorgestellt. Statt jeden Morgen im Stall zu stehen, sitzt er seit Monaten am Schreibtisch. Er will den Hof seiner Eltern übernehmen – und kämpft gegen eine Mauer aus Vorschriften. Sein Fall zeigt, wie sehr Bürokratie die Landwirtschaft im Allgäu ausbremst.

Ein Hof, unzählige Anträge

Die Familie bewirtschaftet den Hof seit Generationen. Jung und Alt arbeiten heute noch zusammen. Doch die Zukunft ist ungewiss. Der Jungbauer hat eine Ausbildung gemacht, einen Meisterbrief erworben und in anderen Betrieben Erfahrung gesammelt. Damit er den Hof übernehmen kann, sind Umbauten nötig: ein neuer Stall, eine modernere Melktechnik, Lagerflächen.

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Für diese Umbauten braucht er Genehmigungen. Die Liste ist lang: Baugenehmigung, Naturschutzprüfung, Wasserrechtsverfahren, Emissionsschutzgutachten. Jede Behörde verlangt eigene Formulare, oft doppelt. Das Verfahren zieht sich seit über einem Jahr hin. Der Bescheid über die Baugenehmigung lasse weiter auf sich warten, heißt es aus dem Umfeld des Jungbauern.

Generationenvertrag auf Papier

Hofübergabe ist in Deutschland stark reglementiert. Neben den baulichen Fragen müssen auch die Eigentumsverhältnisse geklärt, Verträge notariell beurkundet und steuerliche Gutachten erstellt werden. Für den Jungbauern bedeutet das: Termine beim Notar, beim Steuerberater und bei der Landwirtschaftskammer. Jeder Schritt kostet Zeit und Geld.

Auflagen auf dem Acker

Auch auf den Feldern wächst der Papierkram. Die Düngeverordnung schreibt genaue Aufzeichnungen vor, die GAP-Reform verlangt detaillierte Nachweise für Prämien. Wer gegen Auflagen verstößt, riskiert Sanktionen. Die Angst vorm Bürokratieversagen sitzt tief.

Der Jungbauer ist nicht allein. Viele Landwirte in der Region berichten von ähnlichen Erfahrungen. Die Höfe werden größer, aber die Zeit für die eigentliche Arbeit schrumpft. Nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands verbringen Landwirte im Schnitt mehr als zehn Stunden pro Woche mit Bürokratie. Das ist ein Arbeitstag – oder anders gesagt: ein Tag, an dem niemand im Stall oder auf dem Acker arbeitet.

Schon heute geben kleinere Betriebe auf, weil sich der Aufwand nicht mehr lohnt. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern in den vergangenen zwei Jahrzehnten um etwa ein Drittel verringert. Und der Trend hält an.

Wenn der Hof keine Zukunft hat

Die Folgen sind längst sichtbar. In manchen Dörfern im Allgäu stehen ehemalige Bauernhäuser leer oder werden zu Wohnungen umgebaut. Die Landwirtschaft verschwindet aus dem Ortsbild. Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern auch eine Kultur, die über Jahrhunderte gewachsen ist. Der Strukturwandel trifft vor allem kleine und mittlere Betriebe, die sich die kostenintensiven Auflagen nicht leisten können.

Der Hofladen als Rettung?

Der Jungbauer hat sich ein Konzept überlegt, das den Hof zukunftsfähig machen soll: Er will auf Weidehaltung umstellen und einen Hofladen eröffnen. In Bad Wörishofen, das als Kneipp-Kurort jährlich viele Gäste anzieht, hält er das für eine echte Chance. Direktvermarktung ist gefragt, vor allem bei Touristen, die regionale Produkte schätzen.

Doch auch der Hofladen braucht Genehmigungen – von der Gewerbeanmeldung bis zur Hygieneverordnung. Die Umstellung auf Öko-Landbau dauert ebenfalls Jahre, in denen weniger eingespielt wird. Ohne finanzielle Sicherheit ist das ein Risiko. Hinzu kommen steigende Kosten: Energie, Futter, Maschinen. Die Preise für Milch und Fleisch bleiben dagegen stabil niedrig.

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Politik in der Pflicht

Der Bayerische Bauernverband fordert längst einen Bürokratieabbau. Konkret schlägt er vor, Genehmigungsverfahren zu digitalisieren und zu verschlanken. Voneinander abweichende Regelungen der Behörden müssten vereinheitlicht werden. Auch eine Karenzzeit für neue Auflagen wäre nötig, damit Betriebe sich anpassen können. Nur so, so der Verband, bleibe die Landwirtschaft in Bayern zukunftsfähig.

Ob die Politik liefert, wird sich bald zeigen – etwa bei der angekündigten Novelle der Düngeverordnung. Bis dahin bleibt dem Jungbauern nur das Warten. Sein Traum lebt, die Geduld nimmt ab. Eins ist sicher: Wenn die Bürokratie nicht weicher wird, könnten im Allgäu noch mehr Höfe schließen – und mit ihnen ein Stück Lebenskultur.

Dabei gibt es genug Menschen wie den 28-Jährigen, die bereit sind, in die Landwirtschaft zu investieren. Sie brauchen keine Almosen, sondern Verlässlichkeit, schnellere Entscheidungen und weniger Formulare. Der Kampf um den Traumhof ist längst zu einem Kampf um die Zukunft der ländlichen Regionen geworden.

Der Jungbauer aus Bad Wörishofen hat sein Ziel vor Augen: eines Tages möchte er seine eigene Milch im eigenen Hofladen verkaufen. Ob er das schafft, hängt auch davon ab, wie schnell die Politik handelt.