Nach einem viralen Döner-Video ist im Koblenzer Kloster Arenberg die „Hölle los“. Das Video zeigt die 92-jährige Schwester Irmingard beim Essen ihres ersten Döners und wurde in einer Nacht Millionen Mal aufgerufen. Schwester Ursula beschreibt den ungeplanten Trubel, der durch das Instagram-Video ausgelöst wurde.
Schwester Irmingard, die seit 69 Jahren im Kloster lebt, ist über die Aufmerksamkeit überrascht. „Acht Millionen haben sich eingeklickt, unglaublich“, sagt sie. Auf die Frage, was sie für die Millionen Menschen tun könne, antwortet sie: „Jetzt kannst du nur noch für die beten.“ Sie werde dem Herrn den Kummer der Menschen ans Herz legen. Berühmt fühle sie sich nicht, dafür sei sie nicht der Typ.
Die 28-jährige Schwester Clarita hat das Video gefilmt und gepostet. Sie teilt regelmäßig Einblicke aus dem Kloster, um mit Klischees aufzuräumen. Ein Klischee: „Ganz viele denken, dass wir Kirchensteuer bekommen und deswegen irgendwie nicht arbeiten müssen.“ Das stimme nicht. Sie arbeitet in einem Büro mit normalem Arbeitsvertrag. Das Gehalt und die Rente der Schwestern fließen in eine Gemeinschaftskasse, aus der das Leben im Kloster und ein Taschengeld von 120 Euro im Monat finanziert werden.
Schwester Clarita betont, dass die Schwestern in einem apostolischen Kloster die Klostermauern verlassen können. Sie geht gerne Fahrrad fahren, klettern oder trifft Freunde. Sie hört Podcasts und ist True-Crime-Fan. Sie hat Gelübde für Armut, Gehorsam und Keuschheit abgelegt. Stille plant sie regelmäßig ein, gesteht aber: „Ich würde eigentlich lieber ein Buch lesen und ertappe mich dann aber doch dabei, dass ich dann irgendwie mal kurz auf Insta gehe.“
Schwester Clarita nutzt kein Make-up, schaut kein Trash-TV und verwendet Parfüm nur an Sonntagen. Alkohol und Süßigkeiten sind kein Tabu. Ein weiteres Klischee, das sie abschaffen möchte: dass man nur ins Kloster geht, wenn man „keinen Mann abbekommen“ hat. Sie sagt: „Ich kenne kaum Leute, die so reflektiert sind, wenn sie eine Entscheidung treffen.“ Für sie war früh klar, dass ihr Platz an ihrer Seite leer bleiben wird.
Der Altersdurchschnitt der 35 Schwestern im Kloster Arenberg liegt bei etwa 81 Jahren. Am Morgen des Gesprächs verstarb eine Ordenschwester – die Sechste in diesem Jahr. „Was für mich eigentlich das Traurige dabei, ist nicht, dass wir irgendwie weniger werden, sondern dass ich all diese Schwestern zu Grabe trage“, sagt die 28-Jährige. Die 50-jährige Schwester Ursula ist ebenfalls aktiv auf Instagram und möchte Influencerin sein.



