Gunther von Hagens, Erfinder der „Körperwelten“, mit 81 Jahren gestorben
Körperwelten-Schöpfer Gunther von Hagens mit 81 Jahren tot

Der umstrittene Leichenpräparator Gunther von Hagens ist tot. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus seinem Umfeld erfuhr, starb er im Alter von 81 Jahren. Zuvor hatten mehrere Medien über seinen Tod berichtet. Von Hagens wurde vor allem durch die von ihm ins Leben gerufenen „Körperwelten“-Ausstellungen bekannt, die Plastinate – konservierte menschliche Körper – zeigten.

Ein Leben für die Plastination

Gunther von Hagens, geboren am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden (heute Skalmierzyce, Polen), studierte Medizin und entwickelte in den 1970er Jahren die Technik der Plastination. Dabei werden Körperflüssigkeiten durch Kunststoffe ersetzt, sodass die Präparate haltbar und für Lehr- und Ausstellungszwecke nutzbar werden. 1993 gründete er das Institut für Plastination in Heidelberg und eröffnete 1995 die erste „Körperwelten“-Ausstellung in Mannheim.

Die Schau erregte schnell internationales Aufsehen und löste heftige Debatten aus. Während Befürworter die pädagogischen und medizinischen Vorteile betonten, kritisierten Gegner die Ausstellung als respektlosen Umgang mit den Verstorbenen. Von Hagens selbst sah seine Arbeit als Beitrag zur Gesundheitsaufklärung und zur Entmystifizierung des Todes.

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Kontroversen und Rechtsstreitigkeiten

Im Laufe seiner Karriere war von Hagens mehrfach mit rechtlichen und ethischen Fragen konfrontiert. So gab es Streit um die Herkunft der Körper, die er verwendete. Von Hagens betonte stets, dass alle Präparate aus freien Körperspenden stammten und die Spender zu Lebzeiten ihre Zustimmung gegeben hätten. Dennoch gab es in einigen Ländern Verbote oder Auflagen für seine Ausstellungen.

Ein besonders bekannter Fall war der Rechtsstreit um die Ausstellung in Hamburg im Jahr 2003, bei dem die Stadt die Schau zeitweise untersagte. Von Hagens setzte sich jedoch vor Gericht durch. Auch in den USA und Asien waren die „Körperwelten“ ein Publikumsmagnet, obwohl sie immer wieder Anlass für ethische Diskussionen gaben.

Wissenschaftliches Erbe und Vermächtnis

Trotz der Kontroversen gilt von Hagens als Pionier der anatomischen Lehre. Seine Plastinate werden in medizinischen Fakultäten weltweit zur Ausbildung von Ärzten und Chirurgen genutzt. Die „Körperwelten“-Ausstellungen haben nach eigenen Angaben mehr als 50 Millionen Besucher angezogen. Von Hagens hinterlässt seine Frau und langjährige Geschäftspartnerin Angelina Whalley, die die Ausstellungen nach seinem Tod weiterführen wird.

Der Tod von Gunther von Hagens markiert das Ende einer Ära, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und ethischer Kontroverse neu ausgelotet wurden. Sein Einfluss auf die medizinische Didaktik und die öffentliche Wahrnehmung des menschlichen Körpers bleibt unbestritten.

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