Harald Martenstein kritisiert immer gleiche Floskeln nach Anschlägen
Martenstein kritisiert Floskeln nach Anschlägen

Harald Martenstein (72), Kolumnist der BILD, hat einen offenen Brief an den Bundespräsidenten veröffentlicht, in dem er die immer gleichen Sprachmuster nach Gewalttaten kritisiert. Der Anlass war ein jüngster Anschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau aus Polen ums Leben kam. Martenstein schreibt: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft“ – ein Satz, den er als abgenutzte Floskel bezeichnet, die nach jedem Attentat wiederholt werde.

Routinetermin und sprachliche Monotonie

Martenstein beginnt seinen Brief mit der Feststellung, dass es sich bei dem Gedenktermin um einen Routinetermin handele, was nicht despektierlich gemeint sei. Dennoch kritisiert er, dass die Reaktionen des Bundespräsidenten bei jeder Gedenkfeier – etwa nach dem Massaker auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 – stets die gleiche Formulierung verwendeten: „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“. Die andere Floskel „menschenfeindliche Ideologie“ bleibe laut Martenstein nur rechtsradikalen Tätern vorbehalten. Er wirft vor, dass die Opfer und ihre Familien nicht einmal die Mühe wert seien, eine andere Phrase zu wählen.

Vielfalt der Opfer, Einheitlichkeit der Täter

In seinem Schreiben betont Martenstein die Unterschiedlichkeit der Todesopfer: Männer, Frauen, alte Menschen, Kinder, Hetero- und Homosexuelle, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Arme und Reiche. Die Mörder hingegen seien sich stets ähnlich – ihre Waffe sei entweder ein Messer oder ein Auto. Diese wiederkehrenden Muster verdeutlichen nach Martenstein die Notwendigkeit einer differenzierteren Ansprache statt stereotyper Wendungen.

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Kritik an Friedrich Merz ebenfalls zitiert

Martenstein weist darauf hin, dass auch CDU-Chef Friedrich Merz nach dem jüngsten Anschlag vom „Angriff auf unsere Gesellschaft“ sprach. Der Kolumnist verknüpft dies mit dem konkreten Fall der getöteten Polin: „Wäre sie in Polen geblieben, würde sie noch leben.“ Mit diesen Worten macht er deutlich, dass die Floskel den individuellen Schicksalen nicht gerecht werde.

Persönliche Note und Schluss

Der Brief schließt mit der Höflichkeitsformel „Hochachtungsvoll, Harald Martenstein“. Martenstein selbst ist 72 Jahre alt und schreibt seit Jahrzehnten eine tägliche Kolumne für die BILD. Sein offener Brief richtet sich direkt an den Bundespräsidenten, wobei er die Sprachlosigkeit der Politik angesichts wiederholter Anschläge kritisiert. Die Tatsache, dass immer wieder dieselben Phrasen verwendet werden, empfindet er als mangelnden Respekt vor den Opfern und deren Angehörigen.

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