Nach dem tödlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin haben sich am Montagabend rund 250 Menschen auf dem Frankfurter Paulsplatz versammelt, um der Opfer zu gedenken und ein Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen. Zu der Kundgebung hatten der Kreisverband der Grünen in Frankfurt gemeinsam mit CSD Frankfurt e.V. aufgerufen. „Die Tat erschüttert weit über Berlin hinaus viele queere Menschen und ihre Verbündeten. Umso wichtiger ist es, jetzt füreinander da zu sein“, hieß es in dem Versammlungsaufruf auf Instagram.
Betroffenheit und Angst vor weiterer Gewalt
Viele der Anwesenden kamen, um ihre Trauer zu teilen und ihre Sorge vor einer Zunahme queerfeindlicher Gewalt auszudrücken. „Es hätte auch hier passieren können“, sagte Moritz, ein Teilnehmer der Kundgebung. Die Ereignisse in Berlin ließen ihn nicht los. „Ich war ohnmächtig. Ich wusste nicht, wohin mit mir.“ Auch Anna, die mit ihrer Tochter am 18. Juni beim CSD in Frankfurt mitgelaufen war, betonte die Bedeutung des Zusammenkommens. Sie kritisierte die politische Einordnung des CSD: „Mich stört es, dass wir jetzt eine Politik haben, die von einer Feier spricht, von einer Party. Das war eine Demonstration. Wir sind alle gekommen, um zu demonstrieren, in Berlin sowie auch in Frankfurt. Wir haben eine Politik, die Queerness in irgendwelche schrägen Ecken rückt. Dieses Bild möchte ich gerade rücken.“
Wut und Hoffnung auf dem Paulsplatz
Auch die drei Teilnehmer Jörg, Mike und Holger drückten ihre Gefühle aus. Auf die Frage, warum sie da seien, antwortete Mike ohne Zögern: „Solidarität!“ Jörg ergänzte: „Ich bin wütend, ehrlich gesagt.“ Er sei erschrocken, „dass man im 21. Jahrhundert, 2026, gerade mit den Erfahrungen Deutschlands, jetzt Flagge zeigen muss“. Von der Politik erwarte er „Klarheit und Mut, unangenehme Dinge auszusprechen.“ Trotz der Trauer und Fassungslosigkeit gab es auch Hoffnung. Holger freute sich, dass so viele Menschen zusammengekommen waren, um der queeren Community den Rücken zu stärken.
Zweite Mahnwache auf dem Römerberg
Bereits am Sonntagabend hatten rund 500 Menschen bei einer Mahnwache auf dem Frankfurter Römerberg an die Opfer des Angriffs erinnert. Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. bei einem Polizeieinsatz getötet.



